Kategorie: Spezial

  • Spezial – XR in Deutschland 2022 Studie mit Prof. Dr. Christian Zabel, TH Köln

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    Thomas Riedel
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    Prof. Dr. Christian Zabel

    In dieser Ausgabe spreche ich mit Prof. Dr. Christian Zabel, der mit seinem wissenschaftlichen Team an der TH Köln die Studie XR in Deutschland 2022 – Metaverse, digitale Ökosysteme & Entwicklung der XR-Branche durchgeführt hat. Die Studie wurde bereits zum 5. Mal durchgeführt und ist damit eine zuverlässige und informative Quelle zur Entwicklung von XR in Deutschland. Darin finden sich Informationen, wie sich die Branche, gegliedert in Virtual-, Mixed-, und Augmented Reality, entwickelt hat, wie sie sich in Corona-Zeiten geschlagen hat und was sie gerade aus dem Metaverse Hype macht. Als technologische Basis für die Weiterentwcklung des Internets zu einem Metaverse-Netzwerk ist sie für diesen Podcast super spannend, und darum freue ich mich, dass ich euch diese Folge exklusiv zur Veröffentlichung der Studie anbieten kann.

    Mit Prof. Zabel spreche ich allerdings nicht nur über die Studieninhalte, sondern auch über die Entwicklung der Branche allgemein, wie er selbst an die TH berufen wurde, wie die Studie zustande gekommen ist und über die wissenschaftlichen Rahmenbedingungen. Dieser Podcast ist also eine super Ergänzung zur Studie selbst, als auch zur Aufzeichnung des Events zur Studienpräsentation, in der Prof. Zabel die aus seiner Meinung nach wichtigsten Punkte erläutern wird.

    Ihr habt Lust über die Studie zu diskutieren? Dann kommt gerne auf unseren Discord-Server, auf dem sich mittlerweile über 120 Professionals angemeldet haben. All das findet ihr in den Shownotes, als auch unter metaverse-podcast.de.

    Download Studie

    XR in Deutschland 2022 – Metaverse, digitale Ökosysteme & Entwicklung der XR-Branche
    TH Köln (Zabel/Heisenberg/O’Brien) 

    Aufzeichnung des Launch-Events

    Shownotes

  • Spezial – So kommst Du ins Metaverse!

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    Thomas Riedel

    Darum geht es

    In dieser Urlaubs-Spezialausgabe erkläre ich Dir, wie du ins Metaverse kommst. Lade dir heute schon dein ganz eigenes Metaverse herunter, oder nutze die Metaversen anderer Anbieter aus Decentrasandlandbox!

    Sicherheitshinweis: Diese Episode könnte eine Spur Ironie enthalten.

    Hi, mein Name ist Thomas und ich zeige dir heute, wie du ganz einfach ins Metaverse kommst.

    Dafür brauchst du nur eine Kreditkarte, oder ein volles Firmenkonto. Also, anschnallen, los geht’s!

    So, willkommen zu einer Spezialfolge des Metaverse Podcasts, heute mit dem Thema: So kommst auch du ins Metaverse. Mein Name ist Thomas Riedel, Journalist aus Köln, im Internet bekannt als Droid Boy. Und ich hoffe ihr wart während des Trailers schnell an eurem Geldbeutel, oder habt euch bei eurem Brandmanager das Budget klar gemacht eure Firma endlich ins Metaverse zu bringen. Vielleicht hat sich euer CEO ja auch schon an euch gewendet und gesagt: Hier, Martin, wir brauchen auch endliche eine Interwebzseit, äh, eine App, äh eine KI, äh ich meine ein Metaverse! Dann ist es endlich so weit und ihr könnt hier und jetzt endlich euer ganz eigenes tolles Metaverse runterladen!

    Und keine Angst, das ist gar nicht mal so teuer, für das was ihr gleich bekommt! Wenn ihr jetzt gleich hier eure Kreditkarte durchzieht, dann erwarten euch die ungeahnten Möglichkeiten des Metaverse!

    Was habe ich für euch dabei? Die Zukunftstechnologie schlechthin! Woher ich das weiß? Das weiß0 ich ganz genau! Schleßlich habe ich gut zugehört was die gesagt haben, die schon viel länger als ich dabei sind und die haben es von denen, die ganz am Anfang schon mit dabei waren und jetzt echt super reich geworden sind. Aber darum soll es ja eigentlich gar nicht gehen. Sondern: Wie kommst du jetzt ins Metaverse?

    Okey, dafür muss ich erst noch mal ein bisschen ausholen.

    Kannst du dich noch daran erinnern, als es damals das erste Internet gab? Das war eine Zeit als das Internet noch dezentral war, alle waren gleich, und es gab unendliche Freiheit und alles war möglich! 25 Jahre später: Google, Facebook, Apple, Amazon und Co gehören jetzt das Internet und steuern alles zentral von ihren Servern. Und was hjaben wir davon? Nichts! Sie diktieren die Preise, sie steuern die Massen, über ihre Werbung, über ihre Algorithmen und über ihre Preise. Aber das hat jetzt ein Ende. Eine neue Technologie erscheit am Horizont, eine neue Philosophie, eine neue Freiheit! Dank dezentraler Technologien, die keiner kontrollieren kann, weil sie in kleinen Stückchen über das Internet verteilt sind und doch ein supersicheres Netzwerk bilden, dank dieser Technologien, die unkontrllierbar sind, ist es endlich wieder möglich, fernab von den großen zentralistischen Plattformen des Internets die totale Freiheit zu genießen: Im Netaverse. And the future is now! Endlich kannst du über Plattformen wie Sandland und Decentrabox alles tun was du möchtest. Zum Beispiel: Ein Grundstück von mir kaufen und dann kannst du darauf ein Haus bauen, nein, ein Palast, ein Weltraumpalast von ungeahnten Größen und Reichtümern  und allen zeigen, wie toll du bist, wie toll deine Marke ist und deine Firma alle werden dich lieben.

    Und Internetseiten schreiben dann endlich auch über deine Marke was sie über Nikes geschrieben haben: Nike joins the metaverse! Nice

    OK, wie ich sehe bist du schon echt geil darauf, müssen jetzt nur noch kurz hier die kleine Formalität erledigen, jep, hier die Kreidtkartennummmer eingeben, CV Nummer, genau. So, jetzt kurz überprüfen. Fertig. Klasse. Herzlich willkommen im Metaverse! Das war ja einfach. Drin!

    OK. Zugegeben, ich habe das gerade ein bisschen übetrieben. Aber ich glaube, das war auch notwendig. Ich glaube, es ist wichtig, dass ich an dieser Stelle einmal ganz klar sage, was Sache ist: Wenn euch heute jemand sagt, ihr könntet ins Metaverse, dann will der euch über den Tisch ziehen. Ihr seid schon im Metaverse? Dann seid ihr schon über den Tisch gezogen worden.

    Denn, und das hörst du jetzt vermutlich gar nicht gerne: Das Metaverse gibt es noch nicht. Selbst in der großzügigsten Variante gibt es das nicht. Vielleicht gibt es schon sowas wie ein Proto-Metaverse. Wenn man beide Augen zudrückt.

    Ich will dich aber nicht enttäuschen: Denn ich glaube, wir könnten es eigentlich hinbekommen ein Metaverse zu bauen. Deswegen mache ich diesen Podcast, weil ich eine gewisse Wahrhscheinlichkeit sehe, dass es sowas wie ein Metaverse geben kann. Aber ich befürchte, es gibt keine Abkürzung. Egal wie viel Geld du auf die Crypto-Szene wirfst. Egal wie viele Headsets du dir kaufst: Das Metaverse ist technologisch einfach noch nicht da.

    Und der Grund dafür ist noch nicht mal so sehr technologisch, dass man einfach nur einen Apparat bauen müsste, um uns da hinzubringen. Einfach aufziehen und drin, wie das damals bei Boris Becker und AOL so war. Da gab es das Internet nämlich schon und es ging wirklich einfach nur noch darum, wie man da jetzt eigentlich reinkommt. Das Problem ist eher, dass das ein Prozess ist, bei dem wir noch einiges herauszufinden haben.

    Ich mache da mal ein Beispiel. Erinnert ihr euch noch an die Google Glass? Am 28. Juni 2012, also vor rund zehn Jahren, kündigte Google ein revolutionäres Gerät an, einen Nasencomputer, den sie selbst Google Glass nannten. Dieser Apparat konnte für die damaligen Verhältnisse schon ziemlich viel. Und obwohl es recht beeindruckend war, gab es ein Problem: Die Trähger einer solchen Brille wurden als Glassholes bezeichnet, denn es wurde vermutet, dass Google über die in der Glass eingebauten Sensoren alles aufzeichnet und auf Server speichert, was auch nur in die Nähe der Sensoren kam. Und so verschwand das Gerät bald aus der allegemeinen Öffentlichkeit und wurde nur im Business-Kontext und da auch nur sporadisch verwendet. Es reeicht also nicht eine neue Technik unters Volk zu werfen, damit etwas da ist. Es benötigt gesellschaftliche Akzeptanz.

    Wir sind gerade an dem Punkt, an dem wir die Basistechnologien für das Metaverse zusammengerauft haben. Wir haben einigermaßen dieses immersive Medium Virtual Reality im Griff. Gamer, wenn auch nur ein Bruchteil aller Gamer, ist täglich in VR und spielen dort Spiele, die immer besser werden. Noch fehlt es da an den ganz großen Knallern, wie es sie schon für die Konsolen oder den PC gibt. Aber das geht erst mal nicht weg. Dann haben wir Augmented Reality, also eine nicht ganz so abgekapselte Experience, mit der man sich zum Beispiel das Bild eines Stuhls über sein Handydisplay ins Wohnzimmer stellen kann, in AR. Der Stuhl steht dann da zwar nicht in echt, aber in AR und man kann schon mal sehen, wie das aussehen würde. Cool. AR, und auch VR,  findet aktuell immer weitere Verbreitung, im E-Commerce, in der Werbung, in der Medizin, der Bildung, der Unterhaltung, im industrriellen Bereich am Fließband und in der Produktion und natürlich auch in Games. Pokemon Go ist zum Beispiel so ein Augmented Reality Game.

    Dann brauchen wir natürlich auch Zugangsgeräte zum Metaverse, also Metaverse-Zugangsgeräte, wie ich sie liebevoll nenne. Auch hier haben wir schon einiges entwickelt. Denn das sind die gleichen Geräte, mit denen wir auch schon heute AR und VR nutzen. Aber wer weiß, vielleicht entwickeln wir in Zukunft spezielle Metaverse-Zugangsgeräte, die zwar sich das eine oder andere von den bereits bestehenden Technologien abschauen und auf ihnen basieren, aber dann doch ganz anders sind. Ein Beispiel: Ein Computer aus dem Jahr 1992 konnte nicht so einfach ins Internet. Dafür mussten Modems gekauft, und angeschlossen werden, wenn es dafür einen Anschluss gab und dann musste man sich ins Internet einwählen. Das bedeutet meist aber auch, dass man dann nicht mehr telefonieren konnte. Denn damals ging das eine oder das andere, aber nicht beides gleichzeitig. Heute ist das eigentlich unvoirstellbar, das ein Computer oder ein Smartphone nicht einfach so über WLAn oder über Mobilfunk ins Netz kann. Dafür mussten neue Technologien entwickelt werden und dadurch veränderten sich auch die technologien, die bisher in einem PC verbaut waren: Die Platinen, der Akku, die Vekabelung, die externen Anschlüsse, wo die Antenne ist, wie die Antenne gewickelt ist, und so weiter. Heute haben Laptops Kameras und Mikrophone eingebaut: Der Grund dafür ist das Internet und so Apps wie Skype oder Zoom. Es ist also gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass die Geräte , die wir in Zukunft zum betreten des Metaverse nutzen, schon ein bisschen anders aussehen werden wie das, was wir heute so benutzen.

    Und dann haben wir da das Internet. Das Internet ist für das Metaverse vielleicht so ein bisschen wie die Telefonleitungen von damals. Sie sind eine Basistechnologie, über die man erst mal ins Internet kann, also eigentlich genauer: Das Netzwerk aus Computern, die sich zum Internet zusammengeschaltet haben. Dort suchte man sich dann einen Computer aus, tippte die Adresse ein und lud dann die Inhalte dieses Computers herunter. Auch hier hat das Internet sich auf die Basistechnologien ausgewirkt. Mittlerweile ist es nicht mehr so, dass wir ausschließlich Telefonleitungen nutzen, um ins Internet zu gehen: Wir nutzen das Internet, um zu telefonieren.

    Ihr seht also: jetzt schon zu sagen, wir wären im Metaverse, zeugt eigentlich eher davon, dass ihr noch gar nicht so viel über das Metaverse wisst, oder darüber, wie sich das Internet und Technologie in den letzten 25 Jahren entwickelt haben. Oder noch mal anders gesagt: Heute zu sagen, man wäre im Metaverse, nur weil man sich ein NFT gekauft hat oder ein Grundstück auf Decentrasandboxland, ist in etwas so, wie wenn ich damals eine Tabellenkalkulation geöffnet und dann behauptet hätte, ich wäre im Internet.

    Damit ich dir gleich erzählen kann, wie wir denn nun ins Metaverse kommen, muss ich noch mal ein bisschen ausholen. Dafür musst du jetzt einfach deine Kreditkarte hier durchziehen. Nein, musst du nicht. War nur ein Witzchen.

    An dieser Stelle baue ich noch mal einen kleinen Disclaimer ein. Denn wenn ich gleich erkläre, was das Metaverse sein könnte und ich echt ziemlich davon überzeugt bin, dass das stimmt und das echt zimelich solide ist, gibt es ein paar Menschen, die die Defintion des Metaverse versuchen anders herzuleiten. Das machen sie mit Hilfe von Spieltheorien, mit soziologischen Theorien und anderen Methoden. Wenn man sich darauf einlässt, könnte das Metaverse völliug losgelöst von der Technologie eher soetwas wie eine Social Virtual World sein. Das wäre heute vielleicht eher sowas wie eine Community, die digital abgebildet ist. Soziologisch wäre das eine Gruppe von Menschen, die sich bestimmte Attribute teilt und sich dadurch findet und identifiziert, weil sie bestimmte Überzeugungen haben, bestimmte design mögen, Modetrends pflegen, auf eine gewisse Weise sich verhalten, kommunizieren, auf ein bestimmtes kuzlturelles Reportoire zurückgreifen.

    Das würde zum Beispiel dazu führen, dass eine Community eines Games wie zum Beispiel die Fortnite-Community bereits sowas wie ein Metaverse darstellen würden. Oder Punker, wenn sie denn eine digitale Repräsentation hätten, hätten ein Metaverse gebildet. Manche gehen sogar so weit, dass sie sagen, dass es dazu eigentlich keine digitale Reprösentanz braucht, sondern lediglich eine Welt in dir, in deiner Vorstellung. Lese ich also ein Buch, zum Beispiel Harry Potter, dann sei diese Welt schon Teil des Harry Potter Metaverse, das viele Menschen teilen, weil es schon viele Menschen gelesen haben.

    Die Erklärungen dafür sind meistens besser wie das wie ich es gerade versucht habe zu erklären. Viele dieser Theorien wurden von beeindruckenden Leuten entworfen. Und man muss ihnen zu Gute halten, das es ihnen nicht immer nur darum ging, damit die dicke Kohle zu machen, wie es in den allermeisten Fällen die Crypto-Bros, die ich zuvor ein bisschen auf die Schippe genommen habe, machen.

    Und obwohl das immer recht interessante und intellektuell spannende Gedankenexperimente sind, komme ich nicht umhin zu bemerken, dass es meist Theorien sind, die auf keinem Fundament ruhen. Es ist schlicht nicht klar, wie sie auf die Idee kommen, das, was mit Metaverse ursprünglich gemeint war, könne man jetzt auch so verstehen. Nur weil etwas ähnlich ist, ist es nicht gleich. Und nur weil etwas gut gemacht ist, ist es nicht automatisch richtig.

    Und darum lehne ich persönlich jede Erklärung ab, die dazu führt zu behaupten, dass wir schon ein Metaverse hätten. Das führt meist auch dazu, dass alles plötzlich zum Metaverse wird, weil die Kriterien, mit denen das Metaverse definiert wird, nicht genau genug sind, oder ganz bewusst offen gelassen wurden. Das Mateverse wird dann nichts mehr wert. Diese Definitionen lösen das, was sie definieren wollen, auf.

    Darum werde ich auch weiterhin von Online-Communities, Kohorten und Welten sprechen, die wir in Games, in Büchern, in Social Networks finden. Sie sind was sie sind, und nicht plötzlich ein Metaverse.

    Was also ist das Mateverse und wie kommst du da rein?

    Der Ursprung des Metaverse ist das Buch Snow Crash. Und leider gibt es keine andere Quelle für die Definition des Metaverse. Gäbe es eine, und würden diese Quellen sich irgendwie widersprechen, dann hätten wir leichtes Spiel, die Suche nach dem was das Metaverse ist, ein bisschen leichter zu nehmen. Denn dann könnten wir einfach sagen: Ach, unsere Quellen widersprechen sich, also ist es eigentlich egal was das Metaverse ist und wir können einfach alles Metaverse nennen. Aber selbst jetzt  mit nur einer Quelle will ich sagen: Ja, ich will das erst mal ernst nehmen was da in dem Buch steht. Aber letztendlich ist es auch nur ein Buch. Was ich also gleich erkläre, ist auch nur eine Phantasiegeschichte. Aber sie ist so gut, dass sie tatsächlich auf eine bestimmte Weise als Vorlage dienen kann, auch wenn wir sie gleichzeitig auf keinen Fall als Bauanleitung nehmen sollten.

    Warum wir Snow Crash, das Buch aus dem Jahre 1992, in dem zum ersten Mal das Wort Metaverse und das Wort Avatar auftauchten, nicht als Bauanleitung für unsere Gesellschaft nehmen sollten, liegt daran, dass es ein ironisch-dystopisches ist. Die Gesellschaft ist da echt am Arsch. Es gilt das Recht des Störkeren, der Staat hat so gut wie seine ganze Macht und supranationale Unternehmen abgegeben und ein Samuraischwert auf dem Rücken oder eine Maschinenpistole im Halfter mit sich herumzutragen, ist keine schlechte Idee, wenn man eine Weile überleben will.

    Eine gute Vorlage ist das Buch, wenn es um die Struktur des Metaverse geht. Und das Metaverse in Snow Crash sieht so aus: Das Metaverse ist eine VR Welt, in der es die Erde gibt. Und auf dieser Erde gibt es nur eine einzige Straße. An dieser Straße gibt es rechts und links Grundstücke, die man mieten und bebauen kann. Und will man von einem Grundstück auf ein anderes, weil man zum Beispiel gerade einen Kollegen dort in einem VR-Cafe getroffen hat und aber jetzt zurück zum virtuellen Arbeitsplatz will, dann muss man das Grundstück des Cafes verlassen, die Straße benutzen, um dann auf ein anderes Grundstück zu gelangen. Man muss also sprichwörtlich von einem Grundstück auf ein anderes gehen.

    Übetragen auf Heute biete ich folgende Interpretation an: Das Metaverse ist Virtual Reality. Ein Grundstück in Snow Crash ist eine VR Experience, wie es sie auch schon heute gibt. Die Straße im Metaverse ist eine Verbindungsart zwischen den Experiences, und zwar derart, dass man einfach rüberlaufen kann und sogar muss.

    Zusammengefasst in einem Satz: Das Metaverse ist ein Netzwerk aus Virtual Reality Experiences, die so miteinander verbunden sind, dass man von einer Experience zu einer andere rüberlaufen kann.

    Daraus lässt sich schließen: Das Metaverse gibt es so noch nicht. Aktuell stehen VR Experiences alleine da und sind nicht mit anderen Experiences verbunden.

    Wie also kommen wir heute schon ins Metaverse? Gar nicht, denn das Metaverse existiert noch nicht. Und wenn euch jemand etwas anderes erzählt, nun ja, dann hat er entweder das Buch Snow Crash noch nicht gelesen, hat es nicht verstanden, oder es ihm egal, weil die Person meiner Erfahrung nach, euch einfach ein Produkt mit einem falschen Label verkaufen will.

    Ein NFT ist ein Internet-Produkt, das auf dem Internet aufbaut. Ob es jemals Teil eines Metaverse-Netzwerkes sein wird, wissen wir noch nicht. Ich würde ja sogar dafür plädieren andere Technologien zu nutzen, aber nicht eines wie NFTs, die selten so viel Schlechtes hervorgebracht hat.

    Ein VR Game ist schlicht ein Game und wenn es nicht mit anderen mit der Straße verbunden ist, dann ist es nicht Teil eines Metaverse-Netzwerkes.

    Roblox, Fortnite oder Minecraft sind Spiele, die nicht untereinander verbunden sind und deswegen kein Metaverse-Netzwerk bilden. Außerdem sind sie nicht VR.

    Eine Internet-Community ist Teil des Internets. Oder schlicht eine Community. Ein Community in Discord ist nicht das Metaverse oder Teil des Metaverse-Netzwerkes, weil sie nicht VR sind und nicht so miteinander verbunden sind, dass man sprichwörtlich zu einer anderen VR-Experience rüberlaufen kann.

    Internetbrowser-basierte Games, in denen man herumlaufen kann wie decentrasandboxland sind Internet-Webseiten, da sie weder VR noch Teil eines Metaverse-Netzwerks sind. Sie sind über das Internet erreichbar und mit einem Internetbrowser abrufbar. Bei der Nutzung schauen wir auf die Webseite und befinden uns nicht in einer Experience, die uns umgibt, wie sie es in VR tun würde.

    Eine einzelne Webseite oder ein Game kann nie DAS Metaverse sein, so wie eine Webseite nicht das Internet ist. Webseiten und Experiences nehmen an einem Netzwerk Teil. Sie sind also Teil des Internets oder des Metaverse

    Wenn ihr mir weitere Beispiel schickt, erkläre ich euch gerne auch daran, warum es sich hierbei nicht um ein Metaverse oder um ein Teil des Metaverse-Netzwerkes handelt.

    Und wie kommst du jetzt ins Metaverse?

    Heute gar nicht. Selbst mit viel viel Geld könntest du das nicht kaufen.

    Das einzige, was bleibt ist zu warten und zu hoffen, dass alle Teilnehmenden der Entwicklung eines Metaverse erfolgreich damit sind eines Tages etwas entwickelt zu haben, das ein Metaverse ist. Es könnte sein, dass sie etwas entwickelt haben, dass eher nicht wie ein Metaverse ist. Sei es, dass wir herausgefunden haben, dass etwas anderes gerade besser funktioniert, sei es, das wir herausgefunden haben, dass es vielleicht Quatsch ist ein Metaverse zu bauen. Beides wäre OK, denn wir haben etwas hertausghefunden, etwas entwickelt das funktioniert und haben und weiterentwickelt.

    Die Entwicklung des Metaverse funktioniert nicht wie das Umlegen eines Schalters, sondern Stück für Stück in ganz unterschiedlichen Bereichen. Je nachdem wofür du dich interessierst, kannst du dir zum Beispiel die Metaversezugangsgeräte vornehmen und dort versuchen die zukünftigen Möglichkeiten zu antizipieren. Wie müssen sich die Geräte entwickeln, um eines Tages auf das Metaverse zugreifen zu können? Was müsste sich verändern und welche Entwicklungen sind dafür noch notwendig? Sollten dafür Experiences on Device berechnet werden oder liegt die Zukunft im Streaming von Inhalten auf das Endgerät? Inwiefern sind sie Cross-Reality? Welche unterschiedlichen Usecases bringen eventuell unterschiedliche Geräte hervor?

    Vielleicht interessiert dich aber auch mehr die Infrastruktur. Dann ist die Frage spannend: Wie wird die Straße aussehen und wer entwickelt da aktuell dran? Als Beispiel dafür ist das Metaverse Standards Forum zu erwähnen, dass versucht sich auf Standards zu einigen, die zum Beispiel Interoperabilität ermöglichen. Das MSF ist noch relativ jung und Interoperabilität ist etwas, was noch kaum angegangen und umgesetzt wurde. Wenn man nicht den Rattenfängern aus der Cryptoszene auf den Leim gehen will.

    Wer da aktuell aber schon daran arbeitet ist Meta. Erst kürzlich haben sie eine API gelauncht, mit der es mlöglich sein soll Kontakte experienceübergreifend zu blockieren. Wenn die Entwickler es in ihre Experience einbauen. In der Home-Umgebung ist es jetzt zum Beispiel außerdem möglich Freunde einzuladen und gemeinsam mit ihnen Filme zus chauen und in andere Experiences zu springen. Meta entwickelt sich hier also zu einer Art Vostufe des Metaverse, das man vielleicht Proto-Metaverse nennen könnte. In etwa so wie AOL damals eine Art Proto-Internet war, in dem es viele Funktionen versuchte über seine eigene Plattform abzubilden. Auch HTC bastelt gerade an Experience-übergreifenden Funktionen. Leider haben sie sich entschieden den Crypto-Weg zu gehen. Ich hoffe, dass ihnen die Zahlen zeigen werden, dass dieser Weg eine Sackgasse ist. Crypto wird für die Entwicklung des M,etaverse nicht gebraucht. Es verbietet sich geradezu Crypto zu verwenden. Alles, was mit Crypto gebaut wird, könnte man schneller, einfacher, besser, sicherer und Umweltverträglicher mit alternativen Technologien bauen.

    In der Entwicklung des Metaverse könnte es vielelicht so sein, dass wir zunächst einige Proto-Metaversen sehen werden, die univers für sich stehen. Dazu kommen vielleicht Projekte wie Mozilla Hubs, einem Open Source VR Projekt, mit dem einzelne Welten auf dem eigenen Server kreiert und miteinander verbunden werden können. Mit auf gemeinsam erarbeiteten Standards könnten sich diese Inseln dann zu einem Metaverse verbinden. Als Teil dieses Metaverse-Netzwerkes enstehen dann Services und Portale, wie wir sie zum Beispiel auch aus dem Internet kennen: Kommunikationsplattformen, Social Media, Suchmaschinen und vieles mehr, die sich auf das Metaverse spezialisiert haben. Zuletzt bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung des Metaverse nicht beim Stand des Proto-metaverse festfahren wird. Ein Metaverse wie das mobile Internet, also mit Walled Gardens und wenigen Playern, die das Ökosystem kontrollieren, kann wirklich niemand wollen. Völlig unwahrscheinlich, dass es sich soi entwickeln wird, ist es aber nicht.

    Ein wichtiger anderer Aspekt der Entwicklung des Metaverse ist Regulierung. Ja, eigentlich super langweilig und dann auch noch super kompliziert. Aber die Weiterentwicklung des Internets zu so etwas wie einem Metaverse, und selbst dann, wenn es nicht das Metaverse wird, ist wichtig. Wenn du also nicht nur zum Zocken da bist und dir die Welt nicht völlig egal ist, dann liegt es auch in deiner Veranstwortung als Welten-, Internet-, und zukünftiger Metaverse-Bürger, die umfassend zu informieren, was deine Regierung, die Eu, die USA und andere Kontinente und Staaten tun, um die digitalen Welten der Zukunft zu regulieren.

    Kommen wir nun zum Fazit:

    So kommst du ins Metaverse! Indem du geduldig bist und dich in der Zwischenzeit nicht von Crypto-Bros und geldgierigen Agenturen um den Finger wickeln lässt. Am nächsten kommst du schon heute dem Metaverse, wenn du dein Ohr auf die Entwicklung des Metaverse legst und dich umfassend informierst. Lass dich nicht übers Ohr hauen, lass dich nicht einlullen von den Narrativen anderer, die eigentlich nichts anderes wollen, als Geschäfte zu machen. Nicht, dass ich etwas gegen Geschäfte hätte. Aber man kann Geschäfte machen, und trotzdem kein Arsch sein.

    Und: Vernetze dich mit Communities, die sich mit der Entwicklung des Metaverse beschäftigen.

    Darum lade ich dich zum Abschluss dieser Episode ein auf metaverse-podcast.de zu gehen. Da findest du den Podcast, den du ja gerade schon hörst, den Newsletter, der wöchentlich die wichtigsten Artikel zur Entwicklung des Metaverse zusammenträgt, einen Link zum Discord-Server, auf dem sich eine Metaverse-interessierte Community austauscht und das Metaverse Meetup, zu dem sich Professionals aus der XR Branche austauschen und vernetzen.

    Ein Hinweis in Sachen Metaverse Meetup: Das nächste Metaverse Meetup findet bereits am 1.September in Köln bei Palmer Hargreaves in Köln Ehrenfeld statt. Die Tickets sind kostenlos Dank unseres Sponsers KölnBusiness. Dank Palm,er Hargreaves sind Bier und Softdrinks und eine fabelhafte Location kostenlos und unser Technologie-Sponsor VR Expert, der Spezialist für VR Hardware stellt uns zukünftige Metaverse-Zugangsgeräte mit spannenden Experiences zum Ausprobieren zur Verfügung. Vielen Dank allen Sponsoren und Partnern des Metaverse Meetups!

    Du willst, dass das Metaverse Meetup auch in deine Stadt kommt? Dann lass es mich wissen, schreibe mir an info@metaverse-podcast.de oder joine unserem Discord-Server.

    Oder ziehe jetzt hier deine Kreidtkarte durch. Kleiner Scherz

    Das wars mit dieser Spezialfolge. Die nächste reguläre Ausgabe erwartet euch wieder in zwei Wochen, dann mit Gerd Schröder von der K3 zum Thema Apple!

    Mein Name ist Thomas Riedel, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

  • Spezial – Was ist das Metaverse? erklärt in 3 Minuten

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    Thomas Riedel

    In dieser Spezialausgabe erkläre ich, was das Metaverse ist. Dazu nehme ich Snow Crash als Ausgangsmaterial und übertrage es auf die heutige Zeit. Die Erklärung dauert drei Minuten. Danach beantworte ich 10 Fragen zum Metaverse.

    Vom Internet zum Metaverse

    Um zu verstehen was das Metaverse ist, lohnt es sich einen vereinfachten Blick auf die Entstehung des Internets zu werfen. Wir springen in die Zeit, in der es bereits Personal Computer gab. Das waren Rechner, mit denen einfache Aufgaben wie Schreiben, Drucken und Spiele spielen möglich war. Wollte man Daten austauschen, benötigte man Datenträger, die man persönlich oder per Post weitergeben konnte. Forscher an Universitäten hatten dann die Idee ihre Super-Computer miteinander über Kabel zu verbinden und im Laufe der Jahrzehnte entstand daraus das Internet.

    Heute kann man nicht nur mit Personal Computern auf das Internet zugreifen, sondern auch mit Smartphones, Tablets aber auch Geräten wie Smartspeaker und TV-Geräte. Das Internet verbindet also alle diese Geräte mit denen man sich von Seite zu Seite zum Beispiel durch das Klicken auf Links bewegen kann.

    Wie Smartphones die Entwicklung von VR Headsets begünstigten

    Die Entwicklung von Smartphones begünstigte die Entwicklung einer weiteren Geräteklasse: Virtual Reality Headsets. Erste Entwürfe gab es bereits 1965. Der große Durchbruch passierte 2013 mit der Gründung der Firma Oculus. Heute gibt es eine Vielzahl an Anbietern, mit deren Geräten es möglich ist zum Beispiel Spiele in der Virtual Reality zu spielen. Die Spiele laufen meist lokal auf dem Personal Computer. Ein Austausch von Informationen erfolgt über das Internet, wo zum Beispiel Highscores abgeglichen werden oder weitere Spieler über Multiplayer hinzugeschaltet werden.

    Neil Stephensons Metaverse

    Im Jahr 1992 veröffentlichte der US-Amerikaner Neil Stephenson den Roman Snow Crash. Darin beschreibt er das Metaverse als eine Virtual Reality Simulation, in der man sich mit seinem Avatar bewegen kann. Wenn man sich im Internet durch das Klicken von Links von Webseite zu Webseite bewegt, nutzt Stephenson das Bild des Grundstücks das über eine Straße mit anderen Grundstücken verbunden ist. Das Metaverse in Snow Crash sollte dabei nicht als Bauanleitung sondern als Metapher verstanden werden.

    Übertragen auf Heute bedeutet das, das wir die Virtual Reality Geräte so miteinander verbinden müssen, dass wir in unseren Virtual Reality Avataren in der Lage sein müssten von einem Spiel oder einer Experience in eine andere sprichwörtlich zu gehen. Aktuell sind die Headsets aber noch wie damals die ersten Personal Computer nicht miteinander verbunden. Will man von einer Experience in eine andere, muss man diese erst verlassen und dann vereinfacht gesprochen über einen Internetlink, so wie früher die Datenträger, der neuen Beitreten. Hinzu kommt, dass jede Experience sich so sehr von der anderen unterscheidet, dass es technisch nur schwer möglich wäre, mit dem Avatar aus der einen Experience in eine andere Experience zu gehen.

    Fazit

    Das Metaverse ist eine auf dem Internet aufbauende grundlegende Infrastruktur für miteinander verbundene XR-Experiences, die erst noch gebaut werden muss.

    Das Metaverse, wie es sich Stephenson metaphorisch vorgestellt hat, gibt es also so noch nicht. Allerdings arbeitet der Facebook-Konzern Meta an der Umsetzung des Metaverse. Seit der CEO von Meta im Oktober 2021 den Bau des Metaverse als oberstes Firmenziel vorgestellt hat, ist ein Hype entstanden, dem sich viele Unternehmen angeschlossen haben. Darunter Microsoft und Google, die jetzt an eigenen Metaverse-Plattformen und Metaverse-Zugangsgeräten arbeiten.


    Frage 1: Was ist eigentlich mit Augmented Reality?

    Augmented Reality ist ein spannendes Feld, weil es einmal einfacher und dann aber auch schwieriger umzusetzen ist als Virtual Reality. Einfacher, weil das bereits über euer Smartphone geht, wenn ihr zum Beispiel Pokemon Go spielt oder die enstrpechende Funtion von Google Maps nutzt. Schwieriger, wenn ihr euch jetzt mal eine Augmented Reality Brille vorstellt. Die technischen Hürden sind für solche Brillen wesentlich höher als bei VR Headsets. Der Grund dafür ist der Formfaktor. Während man bei VR Headsets so viel Platz hat wie eine kleine Schuhschachtel. Um dort die Technik unterzubringen, muss bei einer AR Brille alles noch sehr viel mehr miniaturisiert werden. Der aktuelle Stand ist, dass die Brillen, die es bereits gibt, nur ein sehr kleines Sichtfeld haben und eine so kurze Batterielaufzeit, dass es noch sehr viel mehr Jahre dauern wird, bis die Teile im Alltag eingesetzt werden können. Außer man benutzt ein Kabel. Bei den bisherigen Modelle mit Kabel ist es aber so, dass sie das angeschlossene Smartphone ziemlich schnell leersaugen und das Display angelassen werden muss, damit die Brille überhaupt funktioniert.

    Frage 2: Wie kann man über Augmented Reality ins Metaverse?

    In der Tat ist es so, dass die Funktionen, die man sich bisher so für eine Augmented Reality Brille vorstellt, kein Metaverse brauchen. Eine Navigation über Google Maps geht auch schon mit dem Internet. Für Funktionen wie Fotos oder Videos machen, braucht es sogar gar keine Connectivität, die man aber natürlich haben will, um die Bilder dann auf Internet-Plattformen wie Instagram zu teilen. Da man sich bei der Benutzung einer AR Brille im eigenen Körper und nicht  in einem Avatar befindet, ist es tatsächlich fraglich, inwiefern man überhaupt mit so einem Gerät ins Metaverse geht. In Snow Crash zum Beispiel reduziert sich die Nutzung der AR-Funktion der von den Protagonisten benutzten Headsets auf Dinge, die eher an das Telefon oder das Internet erinnern. Da telefoniert dann jemand über das Headset mit einer Person, die gerade im Metaverse ist und das Telefonat wird im AR Display angezeigt, während sich sich in der echten Welt fortbewegt.

    Frage 3: Kann ich auf das Internet zugreifen, wenn ich im Metaverse bin?

    Grundsätzlich kann man glaube ich sagen: Das Metaverse wird für uns vermutlich nur dadurch auf Dauer nutzbar, wenn wir in der Lage sein werden aus einer Experience heraus all die Dinge zu tun, die wir auch jetzt schon tun können. Das schließt das Surfen im Netz oder das Telefonieren mit ein. Vielleicht sogar das Faxen. Aktuell ist es so, dass Unternehmen, die an Experiences arbeiten, bereits solche Features entwickeln. So kann ich zum Beispiel in AltspaceVR, einer Experience von Microsoft, in der sich Menschen für Events treffen, einen Browser aufrufen, um dort dann in 2D im Netz zu surfen. Ich nehme immer wieder an solchen Events teil. Und was wirklich am meisten nervt ist, dass mein Smartphone nicht in VR zur Verfügung steht, um zum Beispiel Kontakte auf LinkedIn zu adden. Das sind Features, die vermutlich schon bald kommen, bevor das Metaverse umgesetzt sein wird.

    Frage 4: Was sind die notwendigen Bedingungen für das Metaverse?

    Das Metaverse erkennt man an zwei Dingen: 1.) Die Experience ist eine Virtual Reality Experience, vielleicht auch eine Mixed Reality Experience 2.) Die Experience ist so mit einer anderen Experience verbunden, dass ich mit meinem Avatar von einer Experience in eine andere gehen kann. Das sind zwei notwendige Bedingungen. Ist eine nicht erfüllt, handelt es sich nicht um das Metaverse. 
    
    Beispiel: Minecraft-Server. Das Spiel ist nicht VR. Und darum kann ich auch nicht mit meinem Avatar von einer Experience in eine andere gehen. Jetzt gibt es Minecraft bereits in VR. Angenommen es gäbe VR Minecraft Server und ich wechsle auf einem Minecraft VR Server von der Team Deathmatch  Welt in die Freies Bauen Welt. Dann wäre das mit einer strengen Interpretation immernoch kein Metaverse, weil der Server die Experience ist. Man müsste also in eine andere nicht-Minecraft-VVR-Experience gehen. 
    
    Ein anderes Beispiel: Beat Saber. Ist es VR? Ja. Kann ich von Beatsaber in einer andere Welt gehen? Nein. Das VR Spiel ist also nicht Teil des Metaverse. Da spielt es auch keine Rolle, ob es die Möglichkeit gibt mit anderen zusammen zu spielen. Ein Internet-Online-Spiel ist also nicht Teil des Metaverse, weil es entweder nicht VR ist und weil es nicht möglich ist in andere Experiences zu gehen.

    Frage 5: Und was ist mit Crypto?

    Mit Crypto sind Blockchain-basierte Anwendungen gemeint. Ein Beispiel dafür ist Decentraland. Decentraland ist eine Internet-Plattform, auf der man Grundstücke und NFTs kaufen und verkaufen kann und in der ich mit einem Avatar auf diesen Grundstücken herumlaufe. Decentraland ist nicht VR und nicht mit anderen Plattformen so verbunden, dass man mit einem VR-Avatar rübergehen kann. Es ist also nicht Teil des Metaverse. Das bedeutet nicht, dass es nicht eines Tages möglich sein wird NFTs in deinem Metaverse-Wohnzimmer aufzuhängen. NFTs sind aber keine notwendige Bedingung dafür. Auch DAOs oder CryptoCoins wie Bitcoin sind nicht zwingend Teil des Metaverse, könnten aber wie das Internet später einmal darin nutzbar sein.

    Frage 6: Sollte das Metaverse dezentral sein?

    Wenn man sich Snow Crash anschaut, oder auch Ready Player One, dann muss man feststellen: Die "VR-Netzwerke" in diesen Büchern sind meist von einer Firma zentral verwaltet. Die Bücher sind diesbezüglich eher dystopisch und es ist zu hoffen, dass das Metaverse in Zukunft nicht von einer Firma beherrscht wird.

    Frage 7: Wie wird sich das Metaverse entwickeln?

    Die Hoffnung ist, dass sich das Metaverse eher wie das Internet und weniger wie zum Beispiel der Smartphone-Markt entwickelt. Dort beherrschen aktuell Google und Apple die Märkte. Da es sich bei den Endgeräten um den Smartphones ganz ähnliche Geräte handelt, könnte es tatsächlich aber zu einer ähnlichen Entwicklung kommen. Bereits jetzt dominiert Android als VR-Betriebssystem die Geräte, die kein Kabel haben. Dazu gehört die Quest 2 von Meta, die schon jetzt einen beherrschenden Marktanteil hat. Bei Apple wird vermutet, dass bereits an einem VR Headset gearbeitet wird, das dann vermutlich aber auch wieder ein Apple-eigenes Betriebssystem verwendet.
    
    Ob es jemals möglich sein wird zwischen diesen verschieden VR-Ökosystemen zu wandern, steht dabei noch in den Sternen. Vermutlich wird es so sein, dass erst mal jeder Konzern für sich ein kleines Metaverse bauen wird. Die Hoffnung besteht, dass diese dann irgendwann mal zu einem großen Metaverse zusammengeschlossen werden.

    Frage 8: Wie wird das Metaverse reguliert werden?

    In Episode 8 des Metaverse-Podcasts habe ich mit einem Mitglied der Europäischen Komission genau darüber gesprochen und es sieht erst mal nicht danach aus, als ob es jetzt eine extra Metaverse-Regulierung gibt. Aber es hat sich einiges getan in Sachen Regulerierung von Tech-Konzernen insgesamt, was eventuell schon mal ein guter Anfang ist. So werden in 2022 vermutlich noch der Digital Services Act und der Digital Merkets Act beschlossen. Zusammen mit einem weiteren Bündel an Acts und Gesetzen soll es dann möglich sein, die aktuellen Tech-Konzerne wesentlich drastischer zu regulieren und in Zukunft zu verhindern, dass wir erneut Unternehmen mit einer so Markbeherrschenden Position bekommen. Da noch nicht klar ist, wie das Metaverse überhaupt entstehen wird, noch was das Metaverse eigentlich sein soll, lässt sich nicht vorhersagen, wie das reguliert werden soll. Hier gilt wohl wie so oft: Wenn etwas schief geht, wird nachgezogen.

    Frage 9: Wie kann ich schon heute Teil des Metaverse sein?

    Gar nicht, denn das Metaverse gibt es noch nicht. Du kannst dir aber Geräte kaufen, die vielleicht mal zu Metaverse-Zugangsgeräten werden. Die Meta Quest 2 gehört mit einem Preis von 350 Euro zu den günstigsten. Sie ist auch deshalb interessant, weil Meta die Firma ist, die das Metaverse am stärksten vorantreiben möchte. Aktuelle Entwicklungen bekommst du am ehesten über dieses Gerät mit. Meta verspricht zudem, dass die Quest 2 noch eine ganze Weile aktuell gehalten wird. Die Quest 3 wird frühestens 2023 erwartet und selbst dann soll die Quest 2 noch Jahre Updates bekommen. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht sagen, dass hat Meta aber auf jeden Fall versprochen.

    Wenn du mehr auf Augmented Reaklity stehst, kann ich dir keine Empfehlung geben, denn alles was es aktuell auf dem Markt gibt, befindet sich eher auf dem Stand eines Prototypen.

    Frage 10: Thomas, was ist, wenn ich mit dir nicht mit den von dir definierten notwendigen Bedingunegn für ein Metaverse übereinstimme?

    Dann ist das dein gutes Recht. Ich sage nicht: So wird das Metaverse auf jeden Fall sein. Was ich gemacht habe ist zu schauen, was gibt es bereits an Informationen über das Metaverse. Und die befinden sich gerade in Büchern. Die habe ich nicht wörtlich genommen, sondern versucht zu verstehen, was diese für uns in der echten Welt bedeuten könnte. Daraus habe ich dann zwei Bedingungen abgeleitet. 
    
    Kann es sein, dass ich unrecht habe? Ja. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass das Metaverse sich völlig anders entwickeln wird. Es ist sogar wahrscheinlich, dass es sich gar nicht entwickeln wird. 
    
    Meine Hoffnung mit dieser Definition des Metaverse ist, dass wir eine Diskussionsgrundlage haben, von wo aus wir weiter machen können. Denn ich bin überzeugt: Wenn wir so Sätze sagen wie: Alles ist irgendwie das Metaverse, dann hilft uns das nicht wirtlich weiter zu verstehen, was das Metaverse eigentlich ist. 
    
    Was ich auch gemacht habe, ist Crypto so weit wie möglich aus der Definition herauszuhalten. Der Grund dafür ist, dass in dem Bereich aktuell zu viel Quatsch passiert und es auch keine Hinweise in den Büchern gibt, die mich zwingen würden Crypto auf jeden Fall mit rein zu nehmen. Mein Tipp: Versucht möglichst wenig etwas mit Blockchain und Co zu machen. Es gibt kaum einen Fall, wo man nicht das Problem viel einfacher mit konventionellen Methoden lösen kann.