Spezial – Was ist das Metaverse? erklärt in 3 Minuten

Spezial – Was ist das Metaverse? erklärt in 3 Minuten

avatar
Thomas Riedel

In dieser Spezialausgabe erkläre ich, was das Metaverse ist. Dazu nehme ich Snow Crash als Ausgangsmaterial und übertrage es auf die heutige Zeit. Die Erklärung dauert drei Minuten. Danach beantworte ich 10 Fragen zum Metaverse.

Vom Internet zum Metaverse

Um zu verstehen was das Metaverse ist, lohnt es sich einen vereinfachten Blick auf die Entstehung des Internets zu werfen. Wir springen in die Zeit, in der es bereits Personal Computer gab. Das waren Rechner, mit denen einfache Aufgaben wie Schreiben, Drucken und Spiele spielen möglich war. Wollte man Daten austauschen, benötigte man Datenträger, die man persönlich oder per Post weitergeben konnte. Forscher an Universitäten hatten dann die Idee ihre Super-Computer miteinander über Kabel zu verbinden und im Laufe der Jahrzehnte entstand daraus das Internet.

Heute kann man nicht nur mit Personal Computern auf das Internet zugreifen, sondern auch mit Smartphones, Tablets aber auch Geräten wie Smartspeaker und TV-Geräte. Das Internet verbindet also alle diese Geräte mit denen man sich von Seite zu Seite zum Beispiel durch das Klicken auf Links bewegen kann.

Wie Smartphones die Entwicklung von VR Headsets begünstigten

Die Entwicklung von Smartphones begünstigte die Entwicklung einer weiteren Geräteklasse: Virtual Reality Headsets. Erste Entwürfe gab es bereits 1965. Der große Durchbruch passierte 2013 mit der Gründung der Firma Oculus. Heute gibt es eine Vielzahl an Anbietern, mit deren Geräten es möglich ist zum Beispiel Spiele in der Virtual Reality zu spielen. Die Spiele laufen meist lokal auf dem Personal Computer. Ein Austausch von Informationen erfolgt über das Internet, wo zum Beispiel Highscores abgeglichen werden oder weitere Spieler über Multiplayer hinzugeschaltet werden.

Neil Stephensons Metaverse

Im Jahr 1992 veröffentlichte der US-Amerikaner Neil Stephenson den Roman Snow Crash. Darin beschreibt er das Metaverse als eine Virtual Reality Simulation, in der man sich mit seinem Avatar bewegen kann. Wenn man sich im Internet durch das Klicken von Links von Webseite zu Webseite bewegt, nutzt Stephenson das Bild des Grundstücks das über eine Straße mit anderen Grundstücken verbunden ist. Das Metaverse in Snow Crash sollte dabei nicht als Bauanleitung sondern als Metapher verstanden werden.

Übertragen auf Heute bedeutet das, das wir die Virtual Reality Geräte so miteinander verbinden müssen, dass wir in unseren Virtual Reality Avataren in der Lage sein müssten von einem Spiel oder einer Experience in eine andere sprichwörtlich zu gehen. Aktuell sind die Headsets aber noch wie damals die ersten Personal Computer nicht miteinander verbunden. Will man von einer Experience in eine andere, muss man diese erst verlassen und dann vereinfacht gesprochen über einen Internetlink, so wie früher die Datenträger, der neuen Beitreten. Hinzu kommt, dass jede Experience sich so sehr von der anderen unterscheidet, dass es technisch nur schwer möglich wäre, mit dem Avatar aus der einen Experience in eine andere Experience zu gehen.

Fazit

Das Metaverse ist eine auf dem Internet aufbauende grundlegende Infrastruktur für miteinander verbundene XR-Experiences, die erst noch gebaut werden muss.

Das Metaverse, wie es sich Stephenson metaphorisch vorgestellt hat, gibt es also so noch nicht. Allerdings arbeitet der Facebook-Konzern Meta an der Umsetzung des Metaverse. Seit der CEO von Meta im Oktober 2021 den Bau des Metaverse als oberstes Firmenziel vorgestellt hat, ist ein Hype entstanden, dem sich viele Unternehmen angeschlossen haben. Darunter Microsoft und Google, die jetzt an eigenen Metaverse-Plattformen und Metaverse-Zugangsgeräten arbeiten.


Frage 1: Was ist eigentlich mit Augmented Reality?

Augmented Reality ist ein spannendes Feld, weil es einmal einfacher und dann aber auch schwieriger umzusetzen ist als Virtual Reality. Einfacher, weil das bereits über euer Smartphone geht, wenn ihr zum Beispiel Pokemon Go spielt oder die enstrpechende Funtion von Google Maps nutzt. Schwieriger, wenn ihr euch jetzt mal eine Augmented Reality Brille vorstellt. Die technischen Hürden sind für solche Brillen wesentlich höher als bei VR Headsets. Der Grund dafür ist der Formfaktor. Während man bei VR Headsets so viel Platz hat wie eine kleine Schuhschachtel. Um dort die Technik unterzubringen, muss bei einer AR Brille alles noch sehr viel mehr miniaturisiert werden. Der aktuelle Stand ist, dass die Brillen, die es bereits gibt, nur ein sehr kleines Sichtfeld haben und eine so kurze Batterielaufzeit, dass es noch sehr viel mehr Jahre dauern wird, bis die Teile im Alltag eingesetzt werden können. Außer man benutzt ein Kabel. Bei den bisherigen Modelle mit Kabel ist es aber so, dass sie das angeschlossene Smartphone ziemlich schnell leersaugen und das Display angelassen werden muss, damit die Brille überhaupt funktioniert.

Frage 2: Wie kann man über Augmented Reality ins Metaverse?

In der Tat ist es so, dass die Funktionen, die man sich bisher so für eine Augmented Reality Brille vorstellt, kein Metaverse brauchen. Eine Navigation über Google Maps geht auch schon mit dem Internet. Für Funktionen wie Fotos oder Videos machen, braucht es sogar gar keine Connectivität, die man aber natürlich haben will, um die Bilder dann auf Internet-Plattformen wie Instagram zu teilen. Da man sich bei der Benutzung einer AR Brille im eigenen Körper und nicht  in einem Avatar befindet, ist es tatsächlich fraglich, inwiefern man überhaupt mit so einem Gerät ins Metaverse geht. In Snow Crash zum Beispiel reduziert sich die Nutzung der AR-Funktion der von den Protagonisten benutzten Headsets auf Dinge, die eher an das Telefon oder das Internet erinnern. Da telefoniert dann jemand über das Headset mit einer Person, die gerade im Metaverse ist und das Telefonat wird im AR Display angezeigt, während sich sich in der echten Welt fortbewegt.

Frage 3: Kann ich auf das Internet zugreifen, wenn ich im Metaverse bin?

Grundsätzlich kann man glaube ich sagen: Das Metaverse wird für uns vermutlich nur dadurch auf Dauer nutzbar, wenn wir in der Lage sein werden aus einer Experience heraus all die Dinge zu tun, die wir auch jetzt schon tun können. Das schließt das Surfen im Netz oder das Telefonieren mit ein. Vielleicht sogar das Faxen. Aktuell ist es so, dass Unternehmen, die an Experiences arbeiten, bereits solche Features entwickeln. So kann ich zum Beispiel in AltspaceVR, einer Experience von Microsoft, in der sich Menschen für Events treffen, einen Browser aufrufen, um dort dann in 2D im Netz zu surfen. Ich nehme immer wieder an solchen Events teil. Und was wirklich am meisten nervt ist, dass mein Smartphone nicht in VR zur Verfügung steht, um zum Beispiel Kontakte auf LinkedIn zu adden. Das sind Features, die vermutlich schon bald kommen, bevor das Metaverse umgesetzt sein wird.

Frage 4: Was sind die notwendigen Bedingungen für das Metaverse?

Das Metaverse erkennt man an zwei Dingen: 1.) Die Experience ist eine Virtual Reality Experience, vielleicht auch eine Mixed Reality Experience 2.) Die Experience ist so mit einer anderen Experience verbunden, dass ich mit meinem Avatar von einer Experience in eine andere gehen kann. Das sind zwei notwendige Bedingungen. Ist eine nicht erfüllt, handelt es sich nicht um das Metaverse. 

Beispiel: Minecraft-Server. Das Spiel ist nicht VR. Und darum kann ich auch nicht mit meinem Avatar von einer Experience in eine andere gehen. Jetzt gibt es Minecraft bereits in VR. Angenommen es gäbe VR Minecraft Server und ich wechsle auf einem Minecraft VR Server von der Team Deathmatch  Welt in die Freies Bauen Welt. Dann wäre das mit einer strengen Interpretation immernoch kein Metaverse, weil der Server die Experience ist. Man müsste also in eine andere nicht-Minecraft-VVR-Experience gehen. 

Ein anderes Beispiel: Beat Saber. Ist es VR? Ja. Kann ich von Beatsaber in einer andere Welt gehen? Nein. Das VR Spiel ist also nicht Teil des Metaverse. Da spielt es auch keine Rolle, ob es die Möglichkeit gibt mit anderen zusammen zu spielen. Ein Internet-Online-Spiel ist also nicht Teil des Metaverse, weil es entweder nicht VR ist und weil es nicht möglich ist in andere Experiences zu gehen.

Frage 5: Und was ist mit Crypto?

Mit Crypto sind Blockchain-basierte Anwendungen gemeint. Ein Beispiel dafür ist Decentraland. Decentraland ist eine Internet-Plattform, auf der man Grundstücke und NFTs kaufen und verkaufen kann und in der ich mit einem Avatar auf diesen Grundstücken herumlaufe. Decentraland ist nicht VR und nicht mit anderen Plattformen so verbunden, dass man mit einem VR-Avatar rübergehen kann. Es ist also nicht Teil des Metaverse. Das bedeutet nicht, dass es nicht eines Tages möglich sein wird NFTs in deinem Metaverse-Wohnzimmer aufzuhängen. NFTs sind aber keine notwendige Bedingung dafür. Auch DAOs oder CryptoCoins wie Bitcoin sind nicht zwingend Teil des Metaverse, könnten aber wie das Internet später einmal darin nutzbar sein.

Frage 6: Sollte das Metaverse dezentral sein?

Wenn man sich Snow Crash anschaut, oder auch Ready Player One, dann muss man feststellen: Die "VR-Netzwerke" in diesen Büchern sind meist von einer Firma zentral verwaltet. Die Bücher sind diesbezüglich eher dystopisch und es ist zu hoffen, dass das Metaverse in Zukunft nicht von einer Firma beherrscht wird.

Frage 7: Wie wird sich das Metaverse entwickeln?

Die Hoffnung ist, dass sich das Metaverse eher wie das Internet und weniger wie zum Beispiel der Smartphone-Markt entwickelt. Dort beherrschen aktuell Google und Apple die Märkte. Da es sich bei den Endgeräten um den Smartphones ganz ähnliche Geräte handelt, könnte es tatsächlich aber zu einer ähnlichen Entwicklung kommen. Bereits jetzt dominiert Android als VR-Betriebssystem die Geräte, die kein Kabel haben. Dazu gehört die Quest 2 von Meta, die schon jetzt einen beherrschenden Marktanteil hat. Bei Apple wird vermutet, dass bereits an einem VR Headset gearbeitet wird, das dann vermutlich aber auch wieder ein Apple-eigenes Betriebssystem verwendet.

Ob es jemals möglich sein wird zwischen diesen verschieden VR-Ökosystemen zu wandern, steht dabei noch in den Sternen. Vermutlich wird es so sein, dass erst mal jeder Konzern für sich ein kleines Metaverse bauen wird. Die Hoffnung besteht, dass diese dann irgendwann mal zu einem großen Metaverse zusammengeschlossen werden.

Frage 8: Wie wird das Metaverse reguliert werden?

In Episode 8 des Metaverse-Podcasts habe ich mit einem Mitglied der Europäischen Komission genau darüber gesprochen und es sieht erst mal nicht danach aus, als ob es jetzt eine extra Metaverse-Regulierung gibt. Aber es hat sich einiges getan in Sachen Regulerierung von Tech-Konzernen insgesamt, was eventuell schon mal ein guter Anfang ist. So werden in 2022 vermutlich noch der Digital Services Act und der Digital Merkets Act beschlossen. Zusammen mit einem weiteren Bündel an Acts und Gesetzen soll es dann möglich sein, die aktuellen Tech-Konzerne wesentlich drastischer zu regulieren und in Zukunft zu verhindern, dass wir erneut Unternehmen mit einer so Markbeherrschenden Position bekommen. Da noch nicht klar ist, wie das Metaverse überhaupt entstehen wird, noch was das Metaverse eigentlich sein soll, lässt sich nicht vorhersagen, wie das reguliert werden soll. Hier gilt wohl wie so oft: Wenn etwas schief geht, wird nachgezogen.

Frage 9: Wie kann ich schon heute Teil des Metaverse sein?

Gar nicht, denn das Metaverse gibt es noch nicht. Du kannst dir aber Geräte kaufen, die vielleicht mal zu Metaverse-Zugangsgeräten werden. Die Meta Quest 2 gehört mit einem Preis von 350 Euro zu den günstigsten. Sie ist auch deshalb interessant, weil Meta die Firma ist, die das Metaverse am stärksten vorantreiben möchte. Aktuelle Entwicklungen bekommst du am ehesten über dieses Gerät mit. Meta verspricht zudem, dass die Quest 2 noch eine ganze Weile aktuell gehalten wird. Die Quest 3 wird frühestens 2023 erwartet und selbst dann soll die Quest 2 noch Jahre Updates bekommen. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht sagen, dass hat Meta aber auf jeden Fall versprochen.

Wenn du mehr auf Augmented Reaklity stehst, kann ich dir keine Empfehlung geben, denn alles was es aktuell auf dem Markt gibt, befindet sich eher auf dem Stand eines Prototypen.

Frage 10: Thomas, was ist, wenn ich mit dir nicht mit den von dir definierten notwendigen Bedingunegn für ein Metaverse übereinstimme?

Dann ist das dein gutes Recht. Ich sage nicht: So wird das Metaverse auf jeden Fall sein. Was ich gemacht habe ist zu schauen, was gibt es bereits an Informationen über das Metaverse. Und die befinden sich gerade in Büchern. Die habe ich nicht wörtlich genommen, sondern versucht zu verstehen, was diese für uns in der echten Welt bedeuten könnte. Daraus habe ich dann zwei Bedingungen abgeleitet. 

Kann es sein, dass ich unrecht habe? Ja. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass das Metaverse sich völlig anders entwickeln wird. Es ist sogar wahrscheinlich, dass es sich gar nicht entwickeln wird. 

Meine Hoffnung mit dieser Definition des Metaverse ist, dass wir eine Diskussionsgrundlage haben, von wo aus wir weiter machen können. Denn ich bin überzeugt: Wenn wir so Sätze sagen wie: Alles ist irgendwie das Metaverse, dann hilft uns das nicht wirtlich weiter zu verstehen, was das Metaverse eigentlich ist. 

Was ich auch gemacht habe, ist Crypto so weit wie möglich aus der Definition herauszuhalten. Der Grund dafür ist, dass in dem Bereich aktuell zu viel Quatsch passiert und es auch keine Hinweise in den Büchern gibt, die mich zwingen würden Crypto auf jeden Fall mit rein zu nehmen. Mein Tipp: Versucht möglichst wenig etwas mit Blockchain und Co zu machen. Es gibt kaum einen Fall, wo man nicht das Problem viel einfacher mit konventionellen Methoden lösen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.