Kategorie: Spezial

  • Spezial – Die Zukunft des Metaverse: Medienhype, XR Headsets, Plattformen, Meta Reality, Standards, Wunschliste für das Metaverse, Vorhersagen und Projektionen

    avatar
    Thomas Riedel

    Zusammenfassung

    In dieser Episode erkläre ich, was „Zukunft des Metaverse“ eigentlich bedeutet, warum es nicht reicht, 5 Punkte aufzulisten, die man gut finden würde und was ich denke, was wir im Jahr 2023 sehen werden, und was wir zu 98 Prozent nicht sehen werden.

    Shownotes

    Transkript

    klicken um auszuklappen

    Hallo und herzlich Willkommen zur Neujahrs-Spezialausgabe des Metaverse Podcast. Mein Name ist Thomas Riedel und ich freue mich, dass ihr wieder eingeschaltet habt.

    In dieser Spezialausgabe geht es, wie es der Titel schon vermuten lässt, um die Zukunft des Metaverse. Und wenn ihr  jetzt von mir eine Liste erwartet, in der ich euch in 10 Punkten darlege, wie das Metaverse sich in 2023 entwickeln wird, dann muss ich euch leider enttäuschen. Also, zumindest ein bisschen. Denn ich will euch eigentlich nichts vorkauen, das ihr dann schluckt und wenn euch jemand fragt, ihr das einfach irgendwo drunter schreibt. Nur weil ihr es halt irgendwo gelesen, oder hier gehört habt.
    Warum will ich das nicht? Weil ich glaube, dass das die primitivste Art ist, Zukunft zu verstehen. Das geht wirklich wesentlich cooler. Wie, das werde ich versuchen euch in dieser Ausgabe zeigen. Und ja, es gibt trotzdem ein paar Vorhersagen, ein paar Projektionen, und ein paar Wünsche und Hoffnungen, über die Entwicklung des Metaverse in 2023.


    Mein Ziel in dieser Episode: Dass ihr ihr am Ende so gut informiert seid, dass ihr versteht, was in der Frage zur Zukunft des Metaverse alles steckt und das ihr aus dem Glauben ins Wissen, beziehungsweise nicht wissen kommt. Denn manchmal kann man einfach nichts wissen. Und das ist manchmal besser, als Glauben zu wiederholen.

    Bevor es aber gleich losgeht, hier eine Message unseres Sponsors.

    Ad: Raum

    Wenn ihr diesen Satz hört, was geht euch da durch den Kopf? Das Metaverse wird 2023 ein noch schnelleres Wachstum hinlegen. Wir werden sehen welche Potentiale es für völlig neues Arbeiten hat, wie es Industrien komplett verändert wird und welche ungeahnten wirtschaftlichen Potentiale es bereit hält.

    So einen Satz oder so ähnlich habt ihr bestimmt im gesamten letzten Jahr gehört, und es ist vermutlich nicht all zu gewagt, zu behaupten, dass wir solche Sätze auch in Zukunft hören werden. Und das nicht nur zum Thema Metaverse. Solche Sätze zeichnen eigentlich jeden Tech-Hype aus, und das ist nicht mal ein besonders moderner Satz, auch wenn er sich auf ziemlich moderne Themen bezieht.

    Dieser Satz löst erst mal nicht besonders viel Widerstand in uns aus, sondern versucht irgendwie zu begeistern. Wenn man einfach mal so drüber hört, dann könnte man auch einfach mit dem Kopf nicken und sagen: Ja klar, kommt so.

    Wenn ihr euch eher weniger mit Tech-Trends beschäftigt habt, dann seid ihr vielleich einfach froh, dass euch jemand sagt, was gerade passiert und die Person euch ein Thema gibt, auf das ihr im Jahr 2023 ein Auge haben solltet.

    Wenn ihr euch schon eine Weile mit Tech-Themen beschäftigt, dann habt ihr vermutlich gegenüber solchen Sätzen eine gewisse Resistenz entwickelt, oder ihr wisst sie zu nehmen. Für euch sind das dann Sätze, die man mit einem Körnchen Salz nehmen muss. Hypes kommen und gehen. Und geht der Hype in 2023 nicht, dann vielleicht in 2024, ziemlich wahrscheinlicch hält er aber eher weniger mehr als drei Jahre durch.

    Dabei gibt es mit diesem Satz ziemlich viele Probleme. Fast jeden Teil des Satzes könnte man kritisch hinterfragen, was ich hier nicht in aller Ausführlichkeit tun will, weil die Episode dann doch ziemlich lang werden würde. Ich will euch in dieser Episode ja eigentlich sagen, wie die Zukunft des Metaverse aussieht. Wenn ihr mehr wissen wllt zu den Methoden wie man einen solchen Satz analysieren kann, empfehle ich euch ein Video des Ethikers Chris Bühler, der anfang 2022 auf dem Winterkonress der Digitalen Gesellschaft als Zauberer verkleidet eine spannende Entzauberung solcher Zaubersprüche Durchführt. Das macht er sehr unterhaltsam und Lehrreich! Den Link dazu findet ihr in den Shownotes und auch in dieser Kapitelmarke.

    In aller Kürze: Das Hauptproblem dieses Satzes ist, dass die Leute, die sowas sagen, nicht offenlegen, welche Absichten sie haben, wenn sie solche Sätze sagen. Das macht es schwer den Satz zu bewerten. Und das tun wir mit jedem Satz, den wir lesen. Handelt es sich bei diesem Satz um eine Gewissheit? Eine wissenschaftliche Erkenntnis? Eine Projektion bestimmter Trends und wenn ja welcher? Sind es Hoffnungen, oder glaubt die Person schlicht daran? Vielleicht wiederholt sie aber auch einfach nur, was siee irgendwo mal gelesen hat, und sie hat gar keine Gefühle bezüglich des Inhalts, sieht aber wie nützlich der Satz ist, um als relevanter Sprecher zu erscheinen. Ich würde unterstellen, dass es eben auch nicht darum geht besonders transparent darzulegen, wie der Satz gemeint ist. Er würde so auch nict besonders attraktiv wirken:

    Da ich in Zukunft mit eigenen Produkten im Metaverse-Bereich Geld verdienen will, versuche ich euch auch für das Metaverse zu begeistern, in dem ich sage: das Metaverse wird im Jahr 2023 noch viel mehr wachsen und es hat voll ddie potentiale, die ihr nicht verpassen solltet.

    Um das mal an konkreten Beispiele zu erläutern, nehme ich mal einen Satz von Tom Ffiske. Tom hat  mit dem Imersive Wire einen ziemlich reichweitenstarken Newsletter zum Thema Metaverse und immersive Medien für die internationale Leserschaft. Er ist ein VR Ennthusiast, vor allem ein Kommunikationsprofi, wenn man sich seine LinkedIn-Historie anschaut. Seit November 2022 ist er Berater bei Accentur Song. In seinem letzten Newsletter schreibt er genau das:

    „The metaverse in 2023 will grow rapidly, bringing together web3 and blockchain technologies alongside virtual and augmented reality.“

    Und

    „The metaverse encompasses new types of work, reinvented industries, and brand-new economic opportunities – all in one indistinct ball of potential.“

    Was er nicht tut: erklären, woher er das weiß, was er mit Metaverse meint, und wie das genau gemeint ist. Er lässt es offen, er behält es dem Leser vor, das zu entscheiden. Und da Tom einen angesehen Newsletter zum Thema hat und jetzt sogar bei Accenture ist, wird er uns bestimmt schon keinen Bären aufbinden.

    Vermutlich. Aber wir wissen es nicht. Es dem Lesenden zu überlassen, wie der Text zu verstehen ist, ist bei einem Fachartikel nicht unbedingt fair. Bei einem Gedicht wäre die Vieldeutigkeit ein Qualitätsmerlmal.

    To be fair: Man muss nicht in jedem Artikel immer erst erklären, warum man etwas sagt oder schreibt. Ein Sportreporter muss nicht immer erklären, warum Sport gesund ist. Ein Nachrichtenredkateur muss in einem Nachrichtenstück über die Ukraine nicht jedes Mal erklären, warum das relevant ist.

    Wie sieht es bei einem Text über die Zukunft des Metaverse aus? Ich würde mal behaupten: Wenn es irgendeinen Text gibt, in dem man genau das besprechen sollte, also ob das Metaverse eine Zukunft hat und warum und wie ich das begründe, dann in so einem Text.

    Ich muss alsso zusammenfassen, dass Tom die eigentliche Aufgabe eines solchen Textes nicht erfüllt hat. Wenn ich bösartig wäre, könnte ich ihm sogar Vorsatz unterstellen, bestimmte Dinge nicht zu sagen, um sich als Berater bei Accenture anzubieten, der dann alles gegen Geld erklärt. Das kann er tun. Aber dann kann ich ihn inhaltlich, zumindest was die Zukunftsvorhersage zum Thema Metaverse angeht, nicht ernst nehmen. Warum? Ich weiß nicht, wie er seine Aussagen begründet. Es reicht nicht, einfach Tom Ffiske zu sein.

    Ich habe noch ein anderes Beispiel und dann mache ich mich aber selber mal dran die Zukunft des Metaverse vorherzusagen:

    Was mir an Elmar Uranov ungemein gefällt, ist seine Begeisterungsfähigkeit. Was mir an Elmar Uranov nicht gefällt, ist seine Begeisterungsfähigkeit. Der R&D Manager für Metaverse & Web 3 Projekte bei der Deutschen Telekom und Head of MetaverseLab Economy beim Bundesverband der Digitalen Wirtschaft e.V. sprüht geradezu vor Begeisterung über das Metaverse und immersive Medien. Er ist so jemand, für den völlig klar ist, dass das alles kommen muss, weils so geil ist. Seine Energie channelt er nicht nur in zahreichen begeisterten LinkedIn-Posts und seinem Engagement beim BVDW, sondern auch im Versuch das Metaverse der Zukunft zu beschreiben. Das hat er vor Weihnachten in einer Grafik auf LinkedIn gepostet, in dem er das Metaverse-Framework abgebildet hat.

    Auch wenn drüber steht, was es ist, nämlich das Metaverse Framework, ist aber überaupt nicht klar, was das sein soll. Ist es eine Beschreibung des Ist-Zustandes? Bechreibt er ein Model eines zukünftigen Metaverse? Auf welcher Basis entwirft er dieses Model? Ist es im Sinne einer Digital-Ethik ein Vorschlag für ein Metaverse, wie es sein sollte?  Inwiefern untrscheidet sich seine Grafik von dem, was wir heute unter Internet verstehen? Im Beitragstext wird das nicht erklärt. Es gibt auch keinen Link zu einem ausführlichen Text, der das erklären könnte. Dazu kommt, dass die Grafik keine neuen oder überraschenden Aspekte aufweißt. Unglüklicherweise kommentierten vor allem freundliche Menschen, Jubelperser und Fanboys, was im Grunde keinen Erkenntnisgewinn zur Folge hat. Meine Nachfrage in einem Kommentar bringt nicht unbedingt mehr Klarheit. Aber genau das ist doch eigentlich das Spannende: Wie erklärt sich Elmar die Entwicklung bis zu diesem Zeitpunkt zur Entwicklung des Metaverse? Wieso denkt er, dass das Metaverse genau so aussehen könnte. Ist das auch das Metaverse, das er sich selbst wnschen würde, oder diktieren Umstände dieses Modell und wenn ja, welche sind das? Mit welcher Absicht postet er das? Da ich mit Elmar schon mal ein längeres Gespräch hatte, weiß ich, dass er ein Buch zusammen mit Stephan Bauer schreibt. Ich hoffe, dass wird dann alles ein bisschen besser erklärt. Denn so kann der Lesende mit der Grafik nichts anfangen. Der Lesende muss das einfach so hinnehmen, es glauben. Und mit Glauben sollte man aber keine wissensbasierten Erkenntnisse gewinnen, keine wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entscheidungen fällen.
     

    Soweit einmal zum Setup.

    Wenn ich jetzt mal versuche darzustellen, was uns in 2023 zum Thema Metaverse erwarten könnte, dann muss ich erst mal Metaverse erklären. Denn wenn ich Metaverse sage, was meine ich dann damit? Ich meine damit ein Netzwerk aus VR Experiences, die so miteinander verbunden sind, das man von einer Einer Experience zu einer anderen rüberlaufen kann. Wie ich auf diese Definition komme, könnt ihr in meinem Artikel „The Metaverse by the book“ lesen, den ich euch in den Shownotes verlinkt habe. Wenn ich von „Entwicklung des Metaverse“ spreche, dann meine ich damit den Medienhype, den wir seit der Connect 21 beobachten können. Ich meine damit all die Technologien, die wir benötigen, um dieses Netzwerk zu bauen, also XR, Netzwerztechnologien, Server, Mikrochips, Optik, Softwareentwicklung und so weiter. Ich meine auch das Ökosystem, die Wirtschaft und die Produkttentwicklung. Ich meine auch die Entwicklung, die Zeit und all die vielen vielen Zwischenschritte, die Entwicklungen, die wir benötigen, um am Ende so etwas wie ein Metaverse-Netzwerk aus miteinander verbundenen VR-Experiences zu haben. Also auch all die anderen immersiven Netzwerke, die Plattformen und Experiences, die noch nicht Teil des Metaverse, aber wichtig auf dem Weg zur Entwicklung eines Metaverse sind. Ich meine damit auch die Regulierung und die gesellschaftliche Entwicklung, die wir zurücklegen müssen, um herauszufinden, ob wir das eigentlich wollen, und wie das aussehen sollte.

    Was davon wird sich wie im Jahr 2023 bewegen?

    Zunächst gehe ich mal von dem aus, was wir schon alles wissen. Das sind schon einige Dinge, vor allem zum Beispiel die Technologien, die wir für die Entwicklung des Metaverse brauchen.

    Im Rückblick auf 2022 muss man sagen: Es gab so viele neue Hardware-Releases wie schon lange nicht mehr, vielleicht sogar wie noch nie. Und das auf einem Level, der immer mehr Leute in die Regale greifen lässt. Und so geht es gerade weiter. Je nach dem, wann ihr diese Episode hört, wird HTC zum Beispiel sein neustes Headset auf der CES 2023 releast haben. Wir erwarten eine Meta Quest 3 und eine AR brille von Meta, die vom CTO von Meta in einem Blgobeitrag bestätigt wurde. Es schwebt noch immer das Apple Headset im Raum. Ob das wirklich in 2023 kommen wird, oder doch in 2024, oder ob es überhaupt jemals kommen wird, lässt sich zum Beispiel überhaupt ncht vorhersagen. Samsung, Lenovo und viele andere Hersteller haben Brillen im Anschlag, mit denen wir in 2023 rechnen können. Den Trend zu immer mehr XR-Hardware lässt sich also durchaus ins Jahr 2023 und darüber hinaus weiter führen. Warum kann ich das sagen?

    Auch wenn die Ukraine-Krise zu einer allgemeinen Wirtschaftsrezession geführt hat, unter der ganz besonders auch die technologie-Unternehmen gelitten haben, gehe ich davon aus, dass die Tech-Firmen sich davon erholen werden. In der Zwischenzeit haben wir nämlich ganz gut gelernt, wie wir mit den Problemen zum Beispiel der Gas-Knappheit umgehen. Umsatzeinbrüche wurden mit Entlassungen kompensiert. Aber Meta kauft bereits wieder fleißig Technologien ein. Wie eine Meldung auf Mixed.de verlautbart, hat Meta das belgisch-niederländische Unternehmen Lexexcel für einen wohl gesalzenen Preis gekauft. Meta fährt also seine Investitionen nicht weiter runter und wird auch nicht all zu viele Mitarbeitenden aus seiner Metaverse-Abteilung RealityLabs entlassen haben.

    Wenn in 2021 bis zu 15 Millionen Headsets alleine von Meta verkauft worden sein sollen, so könnte die Anzahl dieses Jahr etwas niedriger liegen, wie die NPD Group gemessen haben will. CSS Insight schätzt, dass die weltweiten Headset-Verkäufe um 12% gesunken sein könnten auf insgesamt 9,6 Millionen Headsets. Das könnte zum Einen mit der Inflation und der allgemeinen unsicheren Wirtschaftssituation zusammenhängen. Aber auch mit der Erhöhung des Preises der Quest 2 von 299 auf 399 Dollar. Wenn die Banken durch Zinsanhebungen gegen die Inflation, die Länder mit Notfallplänen und die Investition in nachhaltigere Energien die Energiepreise stabiliseren konnten, könnte sich die Nachfrage nach Headsets vermutlich stabilisieren.

    Diese Betrachtungsweise ist jetzt natürlich globalgalaktisch gesehen. Wenn wir aber einmal einen Blick auf die Headsets selbst werfen, gibt es da denn Argumente dafür, dass Menschen weiterhin Headsets kaufen, oder Käufe auf den Headsets tätigen, die sie schon haben? Am Beispiel Meta, der Momentan der größte Treiber in der Entwicklung des Metaverse ist, will ich versuchen das zu erklären. Meta pusht aktuell den größten Treiber für die Verkäufe der Headsets, nämlich Gaming und Fitness. Dafür benötigen Entwickler ein stabiles OS, ein Ökosystem mit kaufenden Konsumenten und die Weiterentwicklung der Headsets. Mit der erst vor kurzem releasten Meta Quest Pro, der angekündigten Quest 3, der AR Brille und der erst vor kurzem angekündigten Performance-Verbesserun der Quest 2 um 7%, zeigt Meta seine Absichten. Immer mehr Games werden für Quest released und der Gaming-Showcase im Frühjahr wird zeigen, welche weiteren Titel zu erwarten sind. Auf der Connect 2022 kündigte Meta eine Knie-Detection an, was für Fitness-Apps wichtig sein könnte. Auch arbeitet Meta stöndig weiter an der Health-App, was ihr Commitment deutlich macht.

    Mt der Connect 2022 hat Meta aber auch seine Ernsthaftigkeit im Business Bereich deutlich gemacht. Ein guter Teil der Keynote gehörte dem Business-Bereich. Das Ziel von Meta: Den Laptop durch ein Headset zu ersetzen. Davon sidn wir zwar noch ein gutes Stück entfernt, aber meta arbeitet an diesen Ambitionen. Mit Trust-Points wie der Kooperation von Microsoft mit Meta könnte es Meta gelingen mehr und mehr Unternehmen vom Headset zu überzeugen. Das die Quest Pro mit ihrem Preis erst mal für Konsumenten uninteressant ist, ist für Unternehmen eher weniger ein Problem. Hier kommt es jetzt darauf an die vorhandene Hardware durch Softwareupdates aufzubohren. Wenn Meta das genau so tut wie sie es mit der Quest 2 gemacht haben, dann könnte die Quest Pro am Ende des Jahres 2023 ein ziemlich gutes Gerät geworden sein, das für Unternehmen gegenüber der Hololens 2 ein ernsthafter Konkurrent ist. 

    Apropo Hololens: Microsft hat sich in diesem Jahr ja von Alex Kippman getrennt. Aber es gibt bereits erste Gerüchte über neue Headsets, die Microsoft entwickeln könnte. Die Teams wurden neu aufgestellt und zur Überraschung des Jahres 2023 könnte die Ankündigung eines neuen Headsets bedeuten. Ob es auch schon zu einem Release kommt, davon ist erst mal nicht auszugehen. Obwohl wir am Beispiel HTC sehen, dass Ankündigung und Release auch nur wenige Monate auseinander liegen können. Hier fehlen uns schlicht noch Informationen.

    Zum Thema B2B kann uns die aktuelle Studie der TH Köln vielleicht noch einen Hinweis darauf geben, wie Unternehmen im Jahr 2023 Metaverse-Technologien wie XR Headsets einsetzen könnten. Was die Studie uns in diesem Jahr unter anderem gezeigt hatte, war, dass Unternehmen immer mehr XR Technologien im täglichen Geschäft einsetzen. Also nicht nur projektweise, und danach landet das Headset wieder in einer Kiste. Sondern mehr und mehr Unternehmen haben Usecases, für die sie die Headsets und die damit verbundenen Technologien einsetzen. Wenn sich Unternehmen nicht all zu sehr durch die allegemine wirtschaftliche Lage beeinflussen lassen und Investitionen in Zukunftstechnologien wie XR tätigen, wird sich der allegemeine Trend, der durch die Studie belegt ist, fortsetzen. Das bedeutet: XR-Technologien finden in immer mehr Unternehmen einen festen Platz. Meine Episode zur Studie habe ich euch noch mal in den Shownotes verlinkt.

    Gibt es denn Hinweise darauf, ob Metas Dominanz gebrochen werden kann? Aktuell sind knapp 80 Prozent aller Heasdset-Verkäufe Quest-Geräte und mit der Quest-Plattform hat außer Steam vielleicht, keine andere Plattform ein so hohes Level. Mit Pico XR gibt es mit dem Release der Pico 4 und seiner Enterprise-Variante einen vergleichbaren Anbieter, der wie Meta versucht eine Plattform mit einem Ecosystem, der notwendighen Hardware und der Userbase aufzubauen. Die Pico 4 hat grundsätzlich überzeugt, sowohl was die Hardware als auch den Preis angeht. Was die Software angeht, muss Pico noch deutlich aufholen. So gibt es schlicht noch nicht so viele Games und Apps im Pico Store wie auf Quest. Pico XR hat hier aber bereits Releases angekündigt. Bisweilen gab es bereits auch schon releases, wie ein in die Kritik geratener Beat Saber Klon. Konservativ gesehen, dürfen wir auch in 2023 weitere Entwicklungen auf der Pico Plattform erwarten, neue Games und Verbesserungen des Headsets. Die Frage wird sein, inwiefern sie mit dem Tempo von Meta werden mithalten können. Aktuell sehe ich noch nicht, dass sie das können. Das Jahr 2023 ist für Pico das Jahr uns damit zu überraschen.

    Und was ist mit HTC? Da ich diesen Podcast noch vor dem Release der neuen HTC Brille produziere, fehlt mir dieses Stückchen Informationen. Ich kann aber sagen: Sollte die Brille preislich sich nicht in der Nähe der Pico oder Meta Quest Geräte befinden, wird es HTC auch weiterhin schwer haben, mit Meta im Consumer-Bereich mitzuhalten. Bisher war das mit den hochpreisigen Geräte auch nicht unbedingt ihre Strategie. Spätestens aber mit der HTC Vive Flow haben sie ihre Absichten nicht nur für den Prosumer Angebote zu machen, deutlich gemacht. Ist das neuste Gerät also atgtraktiv, dann müssen wir noch mal auf die Software schauen. Mit der kenne ich mich zugegebenermaßen allerdings nicht all zu gut aus. Was ich sehe, ist das, was über Emails und auf der Webseite an Werbung gemacht wird. Das wirkt auf mich noch sehr nach einem Proto-Metaverse-Plattform-Versuch, der vor allem durch herumlaufen, aber weniger durch eine große Auswahl an Features, an Games und Apps erinnert. Tolle Hardware ist das Eine. Das Spiel wird aber über eine attraktive Plattform gewonnen, die es schafft Nutzende zu binden. Mal schauen, ob HTC uns auch etwas dazu zeigen wird.

    Nur kurz möchte ich auf das Thema AR eingehen. Auch hier laufen die Entwicklungen auf Hochtouren, wie uns zum Beispiel auch Snap, oder Niantic zeigen. Allein bei Meta werden 60 Prozent der für Hardware aufgebrachten Investitionen in die Entwicklung einer AR Brille gesteckt. Allerdings ist das eine Nuss, die zu knacken weswentlich mehr Kraft benötigt als VR, wo wir ja bereits gut funktionierende Geräte haben. Im AR Bereich befinden wir uns noch im Status von Liebhaber-, und Early-Adopter Gadgets, die wirklich noch nicht zu empfehlen sind. Im Grunde sind wir hier noch früh dran. Und die Prognose für 2023 muss sein, dass die Bemühungen weiter egführt werden. Ich sehe nicht, dass das kurzfristig aufhört. Ganz im Gegenteil. Es ist sogar eher zu erwarten, dass noch mehr Investoren an Board springen werden. Eben erst hat Saudi Arabien die Mehrheit an Magic Leap übernommen. Jetzt nicht unbedingt die allerbeste aller Investitionen aus westlicher Sicht. Zeigt aber dennoch, dass weiterhin Geld in die Entwicklung von AR-Technologien fließen werden.

    Soweit mal zum Thema Hardware, zu dem es eigentlich noch sehr viel mehr zu sagen gäbe. So gibt es ja noch eine ganze Menge anderer Hardware-Hersteller, die gar keine Plattform haben, sondern hauptsächlich für den Business-Bereich gebaut werden. Pico setzt zum Beispiel immernoch auf 3DOF, was eher niemand in eine Zukunftsprognose zum Thema Metaverse auf dem Schirm hätte. Ich glaube aber zum Beispiel, dass das durchaus ein Thema sein könnte, gerade im Bildungsumfeld oder bei Massenveranstaltungen.

    Eine Theorie, die ich in der letzten Mixedcast Folge gehört habe ist, dass Metas Meta Reality Begriff für Standards stehen könnte, mit denen Headset-Hersteller Headsets bauen, mit denen sie dann auf die Meta Quest Plattform zugreifen können. So in etwa wie Google Android Services und den Play STore anbietet und Hardware-Hersteller ihre Smartphones so bauen, dass sie auch die Services nutzen können. Die Theorie wäre jetzt, dass Meta nicht nur eigene Hardware herstellt, sondern die Plattform auch für andere Hardware-Anbieter öffnet. Dazu gibt es seitens Meta noch keinerlei Hinweise, spannend wäre das allerdings. Und was ist mit Google? Vin Google haben wir bisher einen Prototypen einer AR-Brille, die mit einfachen smarten Features aufwartet, die aber durchaus beeindrucken könnten. Als Beispiel sei hier die Simultanübersetzung erwähnt. Wie es mit Google weitergeht und ob aus dem Prototypen mal ein Consumer-Produkt wird, davon hören wir vielleicht auch noch was zur Google i/O und anderen Produkt-Konferenzen Googles in 2023.

    Jetzt gehe ich auf den Medienhype ein. Denn auch hier gibt es spannende Entwicklungen. Am Anfang war Metaverse vor allem eine Medienstory. Menschen, die nach Metaverse googlen, verursachen eine Welle an Content, durch die die Menschen noch mehr nach Metaverse googeln. Das führte dazu, dass die Crypto-Bros den Begriff für sich vereinnahmten. Mit dem Platzen der Crypto-Blase ging das deutlich zurück, was man auch an der Google Trends Kurve zum Thema Metaverse sehen kann. Einige Medien haben jetzt verstanden, dass Metaverse nicht gleich VR oder XR ist und das nicht jeder Walking-Simulator gleich ein Metaverse ist. Das mag ebenso zu einer Deflation des Hypes geführt haben. Während Meta zur Connect 21 noch häufig den Begriff Metaverse nutzte, war es auffällig, wie wenig der Begriff zur Connect 22 vorkam. Der Fokus hier war vor allem auf XR und weniger die Vision. Das mag auch daran gelegen haben, dass es etwas konkretes zu zeigen gab, während ein Jahr zuvor die Aufgabe war, erst mal zu erklären, um was es überhaupt gehen könnte. Ebenso im letzten Mixedcast diskutiert wurde der Begriff Meta Realities, den Meta mit einem Blogbeitrag vor kurzem eingeführt und ziemlich abstrus hergeleitet hat. In diesem Blogbeitrag selbst wurde nicht ein mal das Wort Metaverse verwendet, was schon ziemlich auffällig ist. Das führte im Mixedcast zur Annahme, dass Meta nichts mehr mit dem Begriff Metaverse zu tun haben will. Zeitgleich läuft aber im linearen TV Metas Metaverse Werbung, ebenso wie auf Instagram, die zu den zukünftigen Potentialen des Metaverse bunte Bilder liefern.

    [Hier Clip einfügen]. Ich glaube nicht, das Meta den Begriff in Zukunft nicht mehr benutzen wird. Vielmehr haben sie glaube ich verstanden, dass es sinnvoll ist zu unterscheiden: Zwischen der konkreten Vermarktung schon heute nutzbarer Produkte und der Vermarktung der Vision eines Metaverse. Im Moment sind sie dabei die Vision verständlich zu machen. Spannend wird es zu sehen sein, wann sich das wie ändert. Was macht Meta mit dem Meta Reality Begriff? In welchem Verhältnis steht er zu Metaverse und wie werden zukünftig eigene Geräte und Plattformen beworden? Etwas, worauf ich in Zukunft ein Auge haben werde.

    Trotz all meiner Bemühungen im letzten Jahr hier im Podcast und auf Konfrenzen klar zwischen Metaverse und XR zu unterscheiden, rechne ich auch in Zukunft noch damit, dass die Kolleginnen den Begriff immernoch Synonym verwenden werden. Warum ist das so? XR, VR und AR sind erklärungsbedürftig. Während es Metaverse schon irgendwie geschafft hat für etwas zu stehen, was die Leute verstehen. Ich gehe also auch in Zukunft davon aus, dass wir in 2023 Metaverse im Titel von Artikeln lesen werden, obwohl es eigentlich um XR geht. Oder noch nicht mal um XR, sondern um irgendwelche Internet Walking Simulatoren. Da machste nix.

    Was ich bis hierhin versucht habe zu machen, ist aus dem was wir schon alles über XR wissen, sichere Vorhersagen über XR in 2023 zu machen. Das ist zum Einen ziemlich sachlich, aber natprlich auch irgendwie ziemlich konservativ und auch ein bisschen langweilig. Aber notwendig und richtig. Während Trend-Projektionen zu XR eher leicht sind, sind Vorhersagen zum Metaverse allerdings eher als schwer einzustufen.

    Also die Beantwortung der Frage, was sich in 2023 eigentlich in Sachen Metaverse tun wird. Ich erinnere noch mal: Das Metaverse als Netzwerk aus VR Experiences, die so miteinander verbunden sind, dass man einfach rüberlaufen kann.

    Was man aktuell sieht sind Unternehmen, die die Basistechnologien und die entsprechenden Plattformen klar machen. Aktuell wird eher wenig zur Vernetzung all dieser Plattformen gemacht. Wobei das nicht ganz stimmt. Meta baut auf seiner Plattform schon jetzt Features ein, um die Apps miteinander zu verbinden. So gibt es eine API, mit der man Nutzer in einer App sperren kann und die dann in allen anderen Apps gesperrt werden. Oder erst vor kurzem releaste meta das Feature ein Portal in einer App zu einer anderen App öffnen zu können. Beide Beispiele funktionieren nur dann, wenn Entwickler es auch einbauen. Hier wird also damit experimentiert, wie das eigentlich technisch funktionieren könnte, und ob das üerhaupt gewollt wird. Ich bin mir sicher, dass wir in 2023 auch hier weitere Versuche Metas, aber vielleicht auch anderer Hersteller wie Pico und vielleicht sogar HTC sehen werden.

    Neben konkreten Features ist das Thema Industrie-Standards wichtig, insbesondere, wenn es um das Offene Metaverse geht. Hier gibt es einige Initiativen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben. Zuforderst das immer wieder von mir angeführte Metaverse Standards Forum, dass mittlerweile nach eigenen Angaben auf über 2.100 Mitglieder kommt. Da werden zwar keine eigenen Standards entwickelt, aber die Kommunikation dazu in Arbeitsgruppen organisiert. Den Prozess nennt das Forum einen four-step Domain Group Pipeline process. Es wurden über 200 Themen vorgewschlagen und 21 davon haben es auf die Ranked Domain List geschafft. Die nach Wichtigkeit sortierte Liste beginnt so: Privacy, Safety, Security, Inclusion, Interoperable 3D Assets, Real/Virtual World integration, Identity, Avatars and Apparel. Und so weiter. Die Arbeit dieser Gruppen nimmt jetzt also ihre Arbeit auf. Und es ist nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, dass wir von einigen dieser Gruppen in 2023 auch etwas hören werden. Das Metaverse Standards Forum hat mittlerweile eigene Mitarbeitende, die sich um die Organisation und Kommunikation kümmern, weswegen ich mich freue euch darüber berichten zu können, sobald da was passiert.

    Was wir auch gerade sehen ist, dass XR Experiences immer öfter nicht-XR-Zugriffsmöglichkeiten anbieten. Ich glaube ein Weg User ins Metaverse zu bekommen, ist, sie von da mitzunehmen, wo sie gerade sind. Es bringt nichts das aller schillerndste Metaverse zubauen, wenn das aber in einem sehr isolierten Kosmos existiert, den man nur mit einer Brille erforschen kann. Das hat zum Beispiel auch Meta erkannt und so soll es in Zukunft auch mlglich sein über das Smartphone in Horizon Worlds reinzuschauen.  Zugriffmöglichkeiten über das Headset hinaus, könnten wichtig sein bei der Useraquisition. Denn wenn Freunde drin sind, und ich nicht so richtig dabei sein kann, weil ich noch kein Headset habe, könnte das einen Pull-Effekt auslösen. Könnte, wie gesagt. Ob das so auch wirklich passiert, werden wir sehen. Aber im Grunde ist das der nächste logische Schritt: Also die Verbindung der bereits bestehenden Medien mit immersiven Medien. Ich glaube, sollten Inhalte, die im Metaverse generiert wurden so normal sein wie YouTube-Videos auf TikTok, dann hat es das Thema geschafft. Dazu muss Content teilbarer werden. Auch daran arbeiten Plattformanbieter bereits. Wird 2023 das Jahr, in dem wir immer mehr Social VR Content auf TikTok sehen werden? Wenn es passiert, dann passiert es. Vorhersagen kann ich es nicht.

    Und damit verlasse ich jetzt endgültig den Bereich der einigermaßen sicheren Annahmen zum Jahr 2023 und wir betreten den Bereich der mehr spekulativen Sphäre.

    Das können wir zum Beispiel beim Thema Future of Work tun. Also inwiefern wird mehr und mehr Arbeit in XR, in Social VR in immersiven Experiences stattfinden? Wird es in 2023 bereits einen ganzen Schwung an Menschen geben, die mehr und mehr in VR arbeiten, keine zusätzlichen Monitore mehr auf dem Schreibtisch stehen haben, weil sie ein Headset haben? Workshops mehr und mehr in VR machen, weil Teams verteilt und Reisekosten und Reise-CO2 eingespart werden können? Diese Frage habe ich bereits oben teilweise beantwortet. Laut der XR Studie der TH Köln passiert dies ja bereits schon seit Jahren. Mehr und mehr Prozesse, Meetings, und edukative Inhalte im B2B Bereich finden in XR statt. Spannend ist jetzt aber den Moment vorherzusagen, an dem es von einer linearen Entwicklung zu einer exponentiellen springt. Dazu muss man sagen, dass der B2B Bereich ja jetzt eher weniger der Bereich ist, in dem krasse exponentielle Entwicklungen stattfinden. Auch wenn der Preis eines Headsets nicht ganz so wichtig ist, sehe ich schon, dass der noch dafür sorgen wird, dass sich jetzt nicht einfach jedes Unternehmen zig Meta Quest Pro kaufen wird und einsteigt. Dazu fehlen auch noch die Features, die das Ding zu einem No-brainer machen. Wir haben noch nicht den Punkt erreicht, wo Unternehmen auf jeden Fall sich mit XR beschäftigen müssen, so wie sie auf jeden Fall einen Eintrag auf Google Maps haben müssen oder eine Telefonummer und eine Emailadresse brauchen. Das muss man einfach konstatieren. Wird dieser Sprung hin zu einer exponentiellen Entwicklung im Jahr 2023 passieren? Wird er überhaupt passieren, oder bliebt es bei einer eher langsameren, linearen Entwicklung? Es gibt Artikel, die beahupten, dass 2023 das Jahr dafür ist. Allerdings können sie es nicht begründen. Mit fehlen die Informationen, um das mit Gewissheit vorhersagen zu können. Ich bin mir ja nicht mal sicher, ob das überhaupt passieren kann.

    Wie ihr hier vielleicht merkt, wirken diese Versuche die Zukunft eines Themas vorherzusagen, wo uns nur wenige Fakten vorliegen, immer etwas depremierend, so als ob ich es eigentlich gar nicht gut finden würde, dass wir XR haben. Aber das stimmt so nicht. Was ich hier mache, ist eine realistische Betrachtung. Zum Thema Hoffnung und einer Wunschliste, kommen wir am Ende der Episode. Wenn es jetzt aber gerade hier darum geht mittelfristige Entwicklungen vorherzusagen, dann muss man fair bleiben. Warum ich das kann? Weil ich euch kein Produkt zu verkaufen habe. Außer meine eigene Glaubwürdigkeit vielleicht und euer Vertrauen zu gewinnen. Und das tut man am Besten, in dem man nicht lügt, oder einfach seiner Fantasie freien Lauf lässt, und so tut, als wäre das schon die Wahrheit.

    The Future of Work im Metaverse schaut also eher noch etwas nüchtern aus. Aber es wird Stück für Stück besser. Meta arbeitet da zum Beispiel sehr intensiv dran und wird das Jahr 2023 nutzen, um in 2024 immer mehr Gründe parat zu haben, warum Unternehmen dann doch mal über immersive Medien nachdenken sollten.

    A propo Sprung: Wann kommt den nun der Sprung ins Metaverse?

    Was ich ziemlich sicher vorhersagen kann ist, dass 2023 nicht das Jahr sein wird, in dem wir den Sprung ins Metaverse machen werden. Wie sicher bin ich mir? 98 Prozent sicher. Die zwei Prozent halte ich mir vor für unvorhergesehende geschehnisse der Zeit. Also zum beispiel ein Startup, dass eine so coole Idee hat, das wir alle plötzlich jeden Tag die Brille auf der Nase haben wollen, um das zu erleben, oder das zu nutzen. Irgendeine Erfindung technischer Natur, die einfach zu implementieren aber durchschlagend für die Entwicklung des Metaverse sein wird.
    Für solche Entwicklungen braucht es immer mehrere Umstände und Zustände, die zusammen kommen, und die dan einfach so passieren. Nicht selten sind das aber auch schon Technologien, die es eigentlich schon gibt, bisher eher schlecht als recht performt haben, die dann aber unter anderen Vorzeichen plötzlich richtig gut funktionieren. Das wir so ein Glück haben werden im nächsten Jahr, dafür kann man zwar die Daumen drücken. Letztendlich muss man aber feststellen, dass die allermeisten Entwicklungen inkrementel und langsam sind. Und darum rechne ich nicht mit dem plötzlichen Sprung ins Metaverse, sondern sehe das eher in eine paar Jahren, wenn die entsprechenden Vorzeichen technologischer als auch gesellschaftlicher Art sich gedreht haben.

    Zum Abschluss der Episode, will ich ein bisschen auf den Wunschzettel schauen.

    Bei der eher einfachen Art über die Zukunft des Metaverse zu sprechen, ist im Grunde sehr viel vom Wunschzettel dabei. In Zukunft werden wir wie in Ready Player One fliegen können! Wenn jemand das sagt, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er nicht das beschreibt, was kommen wird, sondern das, was er sich wünscht.

    Bei der Entwicklung des Metaverse spielen ja vor allem die Großen wieder die Hauptrolle, vor allem Meta, mit einem Marktanteil von etwa 80 Prozent. Bei einem so komplexen Vorhaben wird viel Kapital benötigt. Und darum kann ich verstehen, warum es da auch eine gewisse Notwendigkeit für große Konzerne a la Meta gibt. Letztendlich muss für mich im Endstadium der Entwicklung des Metaverse das offene Metaverse dominieren. Also eines, in dem User nicht nur auf einer Plattform sind, oder nur zwischen einzelnen Plattformen hin und her springen können. Sondern in dem das Metaverse-Netzwerk auch aus vielen kleinen Projekten besteht. Es mag erneut wie im Web und hier dem Social Web große Plattformen geben. Aber auf meiner Wunschliste steht auf jeden Fall, dass diese Plattformen kleiner sind, vielzähliger sind und das wir so wie jeder sich ein WordPress-Blog anschaffen kann, auf seinem eigenen Server eine Experience bauen kann, die er dann mit dem Metaverse Netzwerk verbindet. Und interessanterweise gibt es hier auch schon erste Ansätze so etwas umzusetzen. Aktuell sind die noch recht rudimentär und bauen auf den Webtechnologien, die uns aktuell zur Verfügung stehen auf. Aber mit der Weiternetwicklung dieser, und das passiert ja ständig, und mit dem Fokus auf Metaverse-Probleme, könnte es noch in diesem Jahr Versuche geben ein kleinteiligeres, persönlicheres Metaverse zu bauen. Darauf hoffe ich und sobald ich da etwas entdecke, werdet ihr es hier in diesem Podcast auch mitbekommen.

    Außerdem hoffe ich darauf, dass das eine Metaverse-Problem schlechthin gelöst wird. Nämlich die Beantwortung der Frage: Brauchen wir dieses Metaverse eigentlich für irgendwas? Aktuell wissen wir nämlich eigentlich nur, dass XR nützlich ist und dass das auch erst mal nicht weg geht. Was aber, wenn man das zu einem Metaverse-Netzwerk verbindet? Was kann aus diesen neuen Möglichkeiten entstehen? Welche neuen Features, Usecases, Anwendungen, Plattformen und Portale werden darauf entstehen? Ich hoffe ja, dass wir in 2023 der Beantwortung dieser Frage ein bisschen näher kommen werden. Denn, und davon bin ich überzeugt, ab diesem Zeitpunkt wird wesentlich klarer sein, was das Metaverse eigentlich sein wird. Und dann wird hoffentlich auch wegfallen, dass alles irgendwie Metaverse ist, nur weil es halt ein bisschen interaktiver, ein bisschen sozialer, immersiver oder größer ist. Dann werden wir das Neue plötzlich Metaverse nennen. Und die Walking-Simulatoren des Internets und den Crypto-Bullshit links liegen lassen.

    So, genug Future-Talk für diese Episode! Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick geben in die Komplexität der Frage was die Zukunft des Metaverse ist, euch ein bisschen dafür sensibilisieren dafür, wie wichtig es ist die Absicht derer zu erkennen, die etwas zur Zukunft von etwas sagen.

  • Spezial – XR in Deutschland 2022 Studie mit Prof. Dr. Christian Zabel, TH Köln

    avatar
    Thomas Riedel
    avatar
    Prof. Dr. Christian Zabel

    In dieser Ausgabe spreche ich mit Prof. Dr. Christian Zabel, der mit seinem wissenschaftlichen Team an der TH Köln die Studie XR in Deutschland 2022 – Metaverse, digitale Ökosysteme & Entwicklung der XR-Branche durchgeführt hat. Die Studie wurde bereits zum 5. Mal durchgeführt und ist damit eine zuverlässige und informative Quelle zur Entwicklung von XR in Deutschland. Darin finden sich Informationen, wie sich die Branche, gegliedert in Virtual-, Mixed-, und Augmented Reality, entwickelt hat, wie sie sich in Corona-Zeiten geschlagen hat und was sie gerade aus dem Metaverse Hype macht. Als technologische Basis für die Weiterentwcklung des Internets zu einem Metaverse-Netzwerk ist sie für diesen Podcast super spannend, und darum freue ich mich, dass ich euch diese Folge exklusiv zur Veröffentlichung der Studie anbieten kann.

    Mit Prof. Zabel spreche ich allerdings nicht nur über die Studieninhalte, sondern auch über die Entwicklung der Branche allgemein, wie er selbst an die TH berufen wurde, wie die Studie zustande gekommen ist und über die wissenschaftlichen Rahmenbedingungen. Dieser Podcast ist also eine super Ergänzung zur Studie selbst, als auch zur Aufzeichnung des Events zur Studienpräsentation, in der Prof. Zabel die aus seiner Meinung nach wichtigsten Punkte erläutern wird.

    Ihr habt Lust über die Studie zu diskutieren? Dann kommt gerne auf unseren Discord-Server, auf dem sich mittlerweile über 120 Professionals angemeldet haben. All das findet ihr in den Shownotes, als auch unter metaverse-podcast.de.

    Download Studie

    XR in Deutschland 2022 – Metaverse, digitale Ökosysteme & Entwicklung der XR-Branche
    TH Köln (Zabel/Heisenberg/O’Brien) 

    Aufzeichnung des Launch-Events

    Shownotes

  • Spezial – So kommst Du ins Metaverse!

    avatar
    Thomas Riedel

    Darum geht es

    In dieser Urlaubs-Spezialausgabe erkläre ich Dir, wie du ins Metaverse kommst. Lade dir heute schon dein ganz eigenes Metaverse herunter, oder nutze die Metaversen anderer Anbieter aus Decentrasandlandbox!

    Sicherheitshinweis: Diese Episode könnte eine Spur Ironie enthalten.

    Hi, mein Name ist Thomas und ich zeige dir heute, wie du ganz einfach ins Metaverse kommst.

    Dafür brauchst du nur eine Kreditkarte, oder ein volles Firmenkonto. Also, anschnallen, los geht’s!

    So, willkommen zu einer Spezialfolge des Metaverse Podcasts, heute mit dem Thema: So kommst auch du ins Metaverse. Mein Name ist Thomas Riedel, Journalist aus Köln, im Internet bekannt als Droid Boy. Und ich hoffe ihr wart während des Trailers schnell an eurem Geldbeutel, oder habt euch bei eurem Brandmanager das Budget klar gemacht eure Firma endlich ins Metaverse zu bringen. Vielleicht hat sich euer CEO ja auch schon an euch gewendet und gesagt: Hier, Martin, wir brauchen auch endliche eine Interwebzseit, äh, eine App, äh eine KI, äh ich meine ein Metaverse! Dann ist es endlich so weit und ihr könnt hier und jetzt endlich euer ganz eigenes tolles Metaverse runterladen!

    Und keine Angst, das ist gar nicht mal so teuer, für das was ihr gleich bekommt! Wenn ihr jetzt gleich hier eure Kreditkarte durchzieht, dann erwarten euch die ungeahnten Möglichkeiten des Metaverse!

    Was habe ich für euch dabei? Die Zukunftstechnologie schlechthin! Woher ich das weiß? Das weiß0 ich ganz genau! Schleßlich habe ich gut zugehört was die gesagt haben, die schon viel länger als ich dabei sind und die haben es von denen, die ganz am Anfang schon mit dabei waren und jetzt echt super reich geworden sind. Aber darum soll es ja eigentlich gar nicht gehen. Sondern: Wie kommst du jetzt ins Metaverse?

    Okey, dafür muss ich erst noch mal ein bisschen ausholen.

    Kannst du dich noch daran erinnern, als es damals das erste Internet gab? Das war eine Zeit als das Internet noch dezentral war, alle waren gleich, und es gab unendliche Freiheit und alles war möglich! 25 Jahre später: Google, Facebook, Apple, Amazon und Co gehören jetzt das Internet und steuern alles zentral von ihren Servern. Und was hjaben wir davon? Nichts! Sie diktieren die Preise, sie steuern die Massen, über ihre Werbung, über ihre Algorithmen und über ihre Preise. Aber das hat jetzt ein Ende. Eine neue Technologie erscheit am Horizont, eine neue Philosophie, eine neue Freiheit! Dank dezentraler Technologien, die keiner kontrollieren kann, weil sie in kleinen Stückchen über das Internet verteilt sind und doch ein supersicheres Netzwerk bilden, dank dieser Technologien, die unkontrllierbar sind, ist es endlich wieder möglich, fernab von den großen zentralistischen Plattformen des Internets die totale Freiheit zu genießen: Im Netaverse. And the future is now! Endlich kannst du über Plattformen wie Sandland und Decentrabox alles tun was du möchtest. Zum Beispiel: Ein Grundstück von mir kaufen und dann kannst du darauf ein Haus bauen, nein, ein Palast, ein Weltraumpalast von ungeahnten Größen und Reichtümern  und allen zeigen, wie toll du bist, wie toll deine Marke ist und deine Firma alle werden dich lieben.

    Und Internetseiten schreiben dann endlich auch über deine Marke was sie über Nikes geschrieben haben: Nike joins the metaverse! Nice

    OK, wie ich sehe bist du schon echt geil darauf, müssen jetzt nur noch kurz hier die kleine Formalität erledigen, jep, hier die Kreidtkartennummmer eingeben, CV Nummer, genau. So, jetzt kurz überprüfen. Fertig. Klasse. Herzlich willkommen im Metaverse! Das war ja einfach. Drin!

    OK. Zugegeben, ich habe das gerade ein bisschen übetrieben. Aber ich glaube, das war auch notwendig. Ich glaube, es ist wichtig, dass ich an dieser Stelle einmal ganz klar sage, was Sache ist: Wenn euch heute jemand sagt, ihr könntet ins Metaverse, dann will der euch über den Tisch ziehen. Ihr seid schon im Metaverse? Dann seid ihr schon über den Tisch gezogen worden.

    Denn, und das hörst du jetzt vermutlich gar nicht gerne: Das Metaverse gibt es noch nicht. Selbst in der großzügigsten Variante gibt es das nicht. Vielleicht gibt es schon sowas wie ein Proto-Metaverse. Wenn man beide Augen zudrückt.

    Ich will dich aber nicht enttäuschen: Denn ich glaube, wir könnten es eigentlich hinbekommen ein Metaverse zu bauen. Deswegen mache ich diesen Podcast, weil ich eine gewisse Wahrhscheinlichkeit sehe, dass es sowas wie ein Metaverse geben kann. Aber ich befürchte, es gibt keine Abkürzung. Egal wie viel Geld du auf die Crypto-Szene wirfst. Egal wie viele Headsets du dir kaufst: Das Metaverse ist technologisch einfach noch nicht da.

    Und der Grund dafür ist noch nicht mal so sehr technologisch, dass man einfach nur einen Apparat bauen müsste, um uns da hinzubringen. Einfach aufziehen und drin, wie das damals bei Boris Becker und AOL so war. Da gab es das Internet nämlich schon und es ging wirklich einfach nur noch darum, wie man da jetzt eigentlich reinkommt. Das Problem ist eher, dass das ein Prozess ist, bei dem wir noch einiges herauszufinden haben.

    Ich mache da mal ein Beispiel. Erinnert ihr euch noch an die Google Glass? Am 28. Juni 2012, also vor rund zehn Jahren, kündigte Google ein revolutionäres Gerät an, einen Nasencomputer, den sie selbst Google Glass nannten. Dieser Apparat konnte für die damaligen Verhältnisse schon ziemlich viel. Und obwohl es recht beeindruckend war, gab es ein Problem: Die Trähger einer solchen Brille wurden als Glassholes bezeichnet, denn es wurde vermutet, dass Google über die in der Glass eingebauten Sensoren alles aufzeichnet und auf Server speichert, was auch nur in die Nähe der Sensoren kam. Und so verschwand das Gerät bald aus der allegemeinen Öffentlichkeit und wurde nur im Business-Kontext und da auch nur sporadisch verwendet. Es reeicht also nicht eine neue Technik unters Volk zu werfen, damit etwas da ist. Es benötigt gesellschaftliche Akzeptanz.

    Wir sind gerade an dem Punkt, an dem wir die Basistechnologien für das Metaverse zusammengerauft haben. Wir haben einigermaßen dieses immersive Medium Virtual Reality im Griff. Gamer, wenn auch nur ein Bruchteil aller Gamer, ist täglich in VR und spielen dort Spiele, die immer besser werden. Noch fehlt es da an den ganz großen Knallern, wie es sie schon für die Konsolen oder den PC gibt. Aber das geht erst mal nicht weg. Dann haben wir Augmented Reality, also eine nicht ganz so abgekapselte Experience, mit der man sich zum Beispiel das Bild eines Stuhls über sein Handydisplay ins Wohnzimmer stellen kann, in AR. Der Stuhl steht dann da zwar nicht in echt, aber in AR und man kann schon mal sehen, wie das aussehen würde. Cool. AR, und auch VR,  findet aktuell immer weitere Verbreitung, im E-Commerce, in der Werbung, in der Medizin, der Bildung, der Unterhaltung, im industrriellen Bereich am Fließband und in der Produktion und natürlich auch in Games. Pokemon Go ist zum Beispiel so ein Augmented Reality Game.

    Dann brauchen wir natürlich auch Zugangsgeräte zum Metaverse, also Metaverse-Zugangsgeräte, wie ich sie liebevoll nenne. Auch hier haben wir schon einiges entwickelt. Denn das sind die gleichen Geräte, mit denen wir auch schon heute AR und VR nutzen. Aber wer weiß, vielleicht entwickeln wir in Zukunft spezielle Metaverse-Zugangsgeräte, die zwar sich das eine oder andere von den bereits bestehenden Technologien abschauen und auf ihnen basieren, aber dann doch ganz anders sind. Ein Beispiel: Ein Computer aus dem Jahr 1992 konnte nicht so einfach ins Internet. Dafür mussten Modems gekauft, und angeschlossen werden, wenn es dafür einen Anschluss gab und dann musste man sich ins Internet einwählen. Das bedeutet meist aber auch, dass man dann nicht mehr telefonieren konnte. Denn damals ging das eine oder das andere, aber nicht beides gleichzeitig. Heute ist das eigentlich unvoirstellbar, das ein Computer oder ein Smartphone nicht einfach so über WLAn oder über Mobilfunk ins Netz kann. Dafür mussten neue Technologien entwickelt werden und dadurch veränderten sich auch die technologien, die bisher in einem PC verbaut waren: Die Platinen, der Akku, die Vekabelung, die externen Anschlüsse, wo die Antenne ist, wie die Antenne gewickelt ist, und so weiter. Heute haben Laptops Kameras und Mikrophone eingebaut: Der Grund dafür ist das Internet und so Apps wie Skype oder Zoom. Es ist also gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass die Geräte , die wir in Zukunft zum betreten des Metaverse nutzen, schon ein bisschen anders aussehen werden wie das, was wir heute so benutzen.

    Und dann haben wir da das Internet. Das Internet ist für das Metaverse vielleicht so ein bisschen wie die Telefonleitungen von damals. Sie sind eine Basistechnologie, über die man erst mal ins Internet kann, also eigentlich genauer: Das Netzwerk aus Computern, die sich zum Internet zusammengeschaltet haben. Dort suchte man sich dann einen Computer aus, tippte die Adresse ein und lud dann die Inhalte dieses Computers herunter. Auch hier hat das Internet sich auf die Basistechnologien ausgewirkt. Mittlerweile ist es nicht mehr so, dass wir ausschließlich Telefonleitungen nutzen, um ins Internet zu gehen: Wir nutzen das Internet, um zu telefonieren.

    Ihr seht also: jetzt schon zu sagen, wir wären im Metaverse, zeugt eigentlich eher davon, dass ihr noch gar nicht so viel über das Metaverse wisst, oder darüber, wie sich das Internet und Technologie in den letzten 25 Jahren entwickelt haben. Oder noch mal anders gesagt: Heute zu sagen, man wäre im Metaverse, nur weil man sich ein NFT gekauft hat oder ein Grundstück auf Decentrasandboxland, ist in etwas so, wie wenn ich damals eine Tabellenkalkulation geöffnet und dann behauptet hätte, ich wäre im Internet.

    Damit ich dir gleich erzählen kann, wie wir denn nun ins Metaverse kommen, muss ich noch mal ein bisschen ausholen. Dafür musst du jetzt einfach deine Kreditkarte hier durchziehen. Nein, musst du nicht. War nur ein Witzchen.

    An dieser Stelle baue ich noch mal einen kleinen Disclaimer ein. Denn wenn ich gleich erkläre, was das Metaverse sein könnte und ich echt ziemlich davon überzeugt bin, dass das stimmt und das echt zimelich solide ist, gibt es ein paar Menschen, die die Defintion des Metaverse versuchen anders herzuleiten. Das machen sie mit Hilfe von Spieltheorien, mit soziologischen Theorien und anderen Methoden. Wenn man sich darauf einlässt, könnte das Metaverse völliug losgelöst von der Technologie eher soetwas wie eine Social Virtual World sein. Das wäre heute vielleicht eher sowas wie eine Community, die digital abgebildet ist. Soziologisch wäre das eine Gruppe von Menschen, die sich bestimmte Attribute teilt und sich dadurch findet und identifiziert, weil sie bestimmte Überzeugungen haben, bestimmte design mögen, Modetrends pflegen, auf eine gewisse Weise sich verhalten, kommunizieren, auf ein bestimmtes kuzlturelles Reportoire zurückgreifen.

    Das würde zum Beispiel dazu führen, dass eine Community eines Games wie zum Beispiel die Fortnite-Community bereits sowas wie ein Metaverse darstellen würden. Oder Punker, wenn sie denn eine digitale Repräsentation hätten, hätten ein Metaverse gebildet. Manche gehen sogar so weit, dass sie sagen, dass es dazu eigentlich keine digitale Reprösentanz braucht, sondern lediglich eine Welt in dir, in deiner Vorstellung. Lese ich also ein Buch, zum Beispiel Harry Potter, dann sei diese Welt schon Teil des Harry Potter Metaverse, das viele Menschen teilen, weil es schon viele Menschen gelesen haben.

    Die Erklärungen dafür sind meistens besser wie das wie ich es gerade versucht habe zu erklären. Viele dieser Theorien wurden von beeindruckenden Leuten entworfen. Und man muss ihnen zu Gute halten, das es ihnen nicht immer nur darum ging, damit die dicke Kohle zu machen, wie es in den allermeisten Fällen die Crypto-Bros, die ich zuvor ein bisschen auf die Schippe genommen habe, machen.

    Und obwohl das immer recht interessante und intellektuell spannende Gedankenexperimente sind, komme ich nicht umhin zu bemerken, dass es meist Theorien sind, die auf keinem Fundament ruhen. Es ist schlicht nicht klar, wie sie auf die Idee kommen, das, was mit Metaverse ursprünglich gemeint war, könne man jetzt auch so verstehen. Nur weil etwas ähnlich ist, ist es nicht gleich. Und nur weil etwas gut gemacht ist, ist es nicht automatisch richtig.

    Und darum lehne ich persönlich jede Erklärung ab, die dazu führt zu behaupten, dass wir schon ein Metaverse hätten. Das führt meist auch dazu, dass alles plötzlich zum Metaverse wird, weil die Kriterien, mit denen das Metaverse definiert wird, nicht genau genug sind, oder ganz bewusst offen gelassen wurden. Das Mateverse wird dann nichts mehr wert. Diese Definitionen lösen das, was sie definieren wollen, auf.

    Darum werde ich auch weiterhin von Online-Communities, Kohorten und Welten sprechen, die wir in Games, in Büchern, in Social Networks finden. Sie sind was sie sind, und nicht plötzlich ein Metaverse.

    Was also ist das Mateverse und wie kommst du da rein?

    Der Ursprung des Metaverse ist das Buch Snow Crash. Und leider gibt es keine andere Quelle für die Definition des Metaverse. Gäbe es eine, und würden diese Quellen sich irgendwie widersprechen, dann hätten wir leichtes Spiel, die Suche nach dem was das Metaverse ist, ein bisschen leichter zu nehmen. Denn dann könnten wir einfach sagen: Ach, unsere Quellen widersprechen sich, also ist es eigentlich egal was das Metaverse ist und wir können einfach alles Metaverse nennen. Aber selbst jetzt  mit nur einer Quelle will ich sagen: Ja, ich will das erst mal ernst nehmen was da in dem Buch steht. Aber letztendlich ist es auch nur ein Buch. Was ich also gleich erkläre, ist auch nur eine Phantasiegeschichte. Aber sie ist so gut, dass sie tatsächlich auf eine bestimmte Weise als Vorlage dienen kann, auch wenn wir sie gleichzeitig auf keinen Fall als Bauanleitung nehmen sollten.

    Warum wir Snow Crash, das Buch aus dem Jahre 1992, in dem zum ersten Mal das Wort Metaverse und das Wort Avatar auftauchten, nicht als Bauanleitung für unsere Gesellschaft nehmen sollten, liegt daran, dass es ein ironisch-dystopisches ist. Die Gesellschaft ist da echt am Arsch. Es gilt das Recht des Störkeren, der Staat hat so gut wie seine ganze Macht und supranationale Unternehmen abgegeben und ein Samuraischwert auf dem Rücken oder eine Maschinenpistole im Halfter mit sich herumzutragen, ist keine schlechte Idee, wenn man eine Weile überleben will.

    Eine gute Vorlage ist das Buch, wenn es um die Struktur des Metaverse geht. Und das Metaverse in Snow Crash sieht so aus: Das Metaverse ist eine VR Welt, in der es die Erde gibt. Und auf dieser Erde gibt es nur eine einzige Straße. An dieser Straße gibt es rechts und links Grundstücke, die man mieten und bebauen kann. Und will man von einem Grundstück auf ein anderes, weil man zum Beispiel gerade einen Kollegen dort in einem VR-Cafe getroffen hat und aber jetzt zurück zum virtuellen Arbeitsplatz will, dann muss man das Grundstück des Cafes verlassen, die Straße benutzen, um dann auf ein anderes Grundstück zu gelangen. Man muss also sprichwörtlich von einem Grundstück auf ein anderes gehen.

    Übetragen auf Heute biete ich folgende Interpretation an: Das Metaverse ist Virtual Reality. Ein Grundstück in Snow Crash ist eine VR Experience, wie es sie auch schon heute gibt. Die Straße im Metaverse ist eine Verbindungsart zwischen den Experiences, und zwar derart, dass man einfach rüberlaufen kann und sogar muss.

    Zusammengefasst in einem Satz: Das Metaverse ist ein Netzwerk aus Virtual Reality Experiences, die so miteinander verbunden sind, dass man von einer Experience zu einer andere rüberlaufen kann.

    Daraus lässt sich schließen: Das Metaverse gibt es so noch nicht. Aktuell stehen VR Experiences alleine da und sind nicht mit anderen Experiences verbunden.

    Wie also kommen wir heute schon ins Metaverse? Gar nicht, denn das Metaverse existiert noch nicht. Und wenn euch jemand etwas anderes erzählt, nun ja, dann hat er entweder das Buch Snow Crash noch nicht gelesen, hat es nicht verstanden, oder es ihm egal, weil die Person meiner Erfahrung nach, euch einfach ein Produkt mit einem falschen Label verkaufen will.

    Ein NFT ist ein Internet-Produkt, das auf dem Internet aufbaut. Ob es jemals Teil eines Metaverse-Netzwerkes sein wird, wissen wir noch nicht. Ich würde ja sogar dafür plädieren andere Technologien zu nutzen, aber nicht eines wie NFTs, die selten so viel Schlechtes hervorgebracht hat.

    Ein VR Game ist schlicht ein Game und wenn es nicht mit anderen mit der Straße verbunden ist, dann ist es nicht Teil eines Metaverse-Netzwerkes.

    Roblox, Fortnite oder Minecraft sind Spiele, die nicht untereinander verbunden sind und deswegen kein Metaverse-Netzwerk bilden. Außerdem sind sie nicht VR.

    Eine Internet-Community ist Teil des Internets. Oder schlicht eine Community. Ein Community in Discord ist nicht das Metaverse oder Teil des Metaverse-Netzwerkes, weil sie nicht VR sind und nicht so miteinander verbunden sind, dass man sprichwörtlich zu einer anderen VR-Experience rüberlaufen kann.

    Internetbrowser-basierte Games, in denen man herumlaufen kann wie decentrasandboxland sind Internet-Webseiten, da sie weder VR noch Teil eines Metaverse-Netzwerks sind. Sie sind über das Internet erreichbar und mit einem Internetbrowser abrufbar. Bei der Nutzung schauen wir auf die Webseite und befinden uns nicht in einer Experience, die uns umgibt, wie sie es in VR tun würde.

    Eine einzelne Webseite oder ein Game kann nie DAS Metaverse sein, so wie eine Webseite nicht das Internet ist. Webseiten und Experiences nehmen an einem Netzwerk Teil. Sie sind also Teil des Internets oder des Metaverse

    Wenn ihr mir weitere Beispiel schickt, erkläre ich euch gerne auch daran, warum es sich hierbei nicht um ein Metaverse oder um ein Teil des Metaverse-Netzwerkes handelt.

    Und wie kommst du jetzt ins Metaverse?

    Heute gar nicht. Selbst mit viel viel Geld könntest du das nicht kaufen.

    Das einzige, was bleibt ist zu warten und zu hoffen, dass alle Teilnehmenden der Entwicklung eines Metaverse erfolgreich damit sind eines Tages etwas entwickelt zu haben, das ein Metaverse ist. Es könnte sein, dass sie etwas entwickelt haben, dass eher nicht wie ein Metaverse ist. Sei es, dass wir herausgefunden haben, dass etwas anderes gerade besser funktioniert, sei es, das wir herausgefunden haben, dass es vielleicht Quatsch ist ein Metaverse zu bauen. Beides wäre OK, denn wir haben etwas hertausghefunden, etwas entwickelt das funktioniert und haben und weiterentwickelt.

    Die Entwicklung des Metaverse funktioniert nicht wie das Umlegen eines Schalters, sondern Stück für Stück in ganz unterschiedlichen Bereichen. Je nachdem wofür du dich interessierst, kannst du dir zum Beispiel die Metaversezugangsgeräte vornehmen und dort versuchen die zukünftigen Möglichkeiten zu antizipieren. Wie müssen sich die Geräte entwickeln, um eines Tages auf das Metaverse zugreifen zu können? Was müsste sich verändern und welche Entwicklungen sind dafür noch notwendig? Sollten dafür Experiences on Device berechnet werden oder liegt die Zukunft im Streaming von Inhalten auf das Endgerät? Inwiefern sind sie Cross-Reality? Welche unterschiedlichen Usecases bringen eventuell unterschiedliche Geräte hervor?

    Vielleicht interessiert dich aber auch mehr die Infrastruktur. Dann ist die Frage spannend: Wie wird die Straße aussehen und wer entwickelt da aktuell dran? Als Beispiel dafür ist das Metaverse Standards Forum zu erwähnen, dass versucht sich auf Standards zu einigen, die zum Beispiel Interoperabilität ermöglichen. Das MSF ist noch relativ jung und Interoperabilität ist etwas, was noch kaum angegangen und umgesetzt wurde. Wenn man nicht den Rattenfängern aus der Cryptoszene auf den Leim gehen will.

    Wer da aktuell aber schon daran arbeitet ist Meta. Erst kürzlich haben sie eine API gelauncht, mit der es mlöglich sein soll Kontakte experienceübergreifend zu blockieren. Wenn die Entwickler es in ihre Experience einbauen. In der Home-Umgebung ist es jetzt zum Beispiel außerdem möglich Freunde einzuladen und gemeinsam mit ihnen Filme zus chauen und in andere Experiences zu springen. Meta entwickelt sich hier also zu einer Art Vostufe des Metaverse, das man vielleicht Proto-Metaverse nennen könnte. In etwa so wie AOL damals eine Art Proto-Internet war, in dem es viele Funktionen versuchte über seine eigene Plattform abzubilden. Auch HTC bastelt gerade an Experience-übergreifenden Funktionen. Leider haben sie sich entschieden den Crypto-Weg zu gehen. Ich hoffe, dass ihnen die Zahlen zeigen werden, dass dieser Weg eine Sackgasse ist. Crypto wird für die Entwicklung des M,etaverse nicht gebraucht. Es verbietet sich geradezu Crypto zu verwenden. Alles, was mit Crypto gebaut wird, könnte man schneller, einfacher, besser, sicherer und Umweltverträglicher mit alternativen Technologien bauen.

    In der Entwicklung des Metaverse könnte es vielelicht so sein, dass wir zunächst einige Proto-Metaversen sehen werden, die univers für sich stehen. Dazu kommen vielleicht Projekte wie Mozilla Hubs, einem Open Source VR Projekt, mit dem einzelne Welten auf dem eigenen Server kreiert und miteinander verbunden werden können. Mit auf gemeinsam erarbeiteten Standards könnten sich diese Inseln dann zu einem Metaverse verbinden. Als Teil dieses Metaverse-Netzwerkes enstehen dann Services und Portale, wie wir sie zum Beispiel auch aus dem Internet kennen: Kommunikationsplattformen, Social Media, Suchmaschinen und vieles mehr, die sich auf das Metaverse spezialisiert haben. Zuletzt bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung des Metaverse nicht beim Stand des Proto-metaverse festfahren wird. Ein Metaverse wie das mobile Internet, also mit Walled Gardens und wenigen Playern, die das Ökosystem kontrollieren, kann wirklich niemand wollen. Völlig unwahrscheinlich, dass es sich soi entwickeln wird, ist es aber nicht.

    Ein wichtiger anderer Aspekt der Entwicklung des Metaverse ist Regulierung. Ja, eigentlich super langweilig und dann auch noch super kompliziert. Aber die Weiterentwicklung des Internets zu so etwas wie einem Metaverse, und selbst dann, wenn es nicht das Metaverse wird, ist wichtig. Wenn du also nicht nur zum Zocken da bist und dir die Welt nicht völlig egal ist, dann liegt es auch in deiner Veranstwortung als Welten-, Internet-, und zukünftiger Metaverse-Bürger, die umfassend zu informieren, was deine Regierung, die Eu, die USA und andere Kontinente und Staaten tun, um die digitalen Welten der Zukunft zu regulieren.

    Kommen wir nun zum Fazit:

    So kommst du ins Metaverse! Indem du geduldig bist und dich in der Zwischenzeit nicht von Crypto-Bros und geldgierigen Agenturen um den Finger wickeln lässt. Am nächsten kommst du schon heute dem Metaverse, wenn du dein Ohr auf die Entwicklung des Metaverse legst und dich umfassend informierst. Lass dich nicht übers Ohr hauen, lass dich nicht einlullen von den Narrativen anderer, die eigentlich nichts anderes wollen, als Geschäfte zu machen. Nicht, dass ich etwas gegen Geschäfte hätte. Aber man kann Geschäfte machen, und trotzdem kein Arsch sein.

    Und: Vernetze dich mit Communities, die sich mit der Entwicklung des Metaverse beschäftigen.

    Darum lade ich dich zum Abschluss dieser Episode ein auf metaverse-podcast.de zu gehen. Da findest du den Podcast, den du ja gerade schon hörst, den Newsletter, der wöchentlich die wichtigsten Artikel zur Entwicklung des Metaverse zusammenträgt, einen Link zum Discord-Server, auf dem sich eine Metaverse-interessierte Community austauscht und das Metaverse Meetup, zu dem sich Professionals aus der XR Branche austauschen und vernetzen.

    Ein Hinweis in Sachen Metaverse Meetup: Das nächste Metaverse Meetup findet bereits am 1.September in Köln bei Palmer Hargreaves in Köln Ehrenfeld statt. Die Tickets sind kostenlos Dank unseres Sponsers KölnBusiness. Dank Palm,er Hargreaves sind Bier und Softdrinks und eine fabelhafte Location kostenlos und unser Technologie-Sponsor VR Expert, der Spezialist für VR Hardware stellt uns zukünftige Metaverse-Zugangsgeräte mit spannenden Experiences zum Ausprobieren zur Verfügung. Vielen Dank allen Sponsoren und Partnern des Metaverse Meetups!

    Du willst, dass das Metaverse Meetup auch in deine Stadt kommt? Dann lass es mich wissen, schreibe mir an info@metaverse-podcast.de oder joine unserem Discord-Server.

    Oder ziehe jetzt hier deine Kreidtkarte durch. Kleiner Scherz

    Das wars mit dieser Spezialfolge. Die nächste reguläre Ausgabe erwartet euch wieder in zwei Wochen, dann mit Gerd Schröder von der K3 zum Thema Apple!

    Mein Name ist Thomas Riedel, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

  • Spezial – Was ist das Metaverse? erklärt in 3 Minuten

    avatar
    Thomas Riedel

    In dieser Spezialausgabe erkläre ich, was das Metaverse ist. Dazu nehme ich Snow Crash als Ausgangsmaterial und übertrage es auf die heutige Zeit. Die Erklärung dauert drei Minuten. Danach beantworte ich 10 Fragen zum Metaverse.

    Vom Internet zum Metaverse

    Um zu verstehen was das Metaverse ist, lohnt es sich einen vereinfachten Blick auf die Entstehung des Internets zu werfen. Wir springen in die Zeit, in der es bereits Personal Computer gab. Das waren Rechner, mit denen einfache Aufgaben wie Schreiben, Drucken und Spiele spielen möglich war. Wollte man Daten austauschen, benötigte man Datenträger, die man persönlich oder per Post weitergeben konnte. Forscher an Universitäten hatten dann die Idee ihre Super-Computer miteinander über Kabel zu verbinden und im Laufe der Jahrzehnte entstand daraus das Internet.

    Heute kann man nicht nur mit Personal Computern auf das Internet zugreifen, sondern auch mit Smartphones, Tablets aber auch Geräten wie Smartspeaker und TV-Geräte. Das Internet verbindet also alle diese Geräte mit denen man sich von Seite zu Seite zum Beispiel durch das Klicken auf Links bewegen kann.

    Wie Smartphones die Entwicklung von VR Headsets begünstigten

    Die Entwicklung von Smartphones begünstigte die Entwicklung einer weiteren Geräteklasse: Virtual Reality Headsets. Erste Entwürfe gab es bereits 1965. Der große Durchbruch passierte 2013 mit der Gründung der Firma Oculus. Heute gibt es eine Vielzahl an Anbietern, mit deren Geräten es möglich ist zum Beispiel Spiele in der Virtual Reality zu spielen. Die Spiele laufen meist lokal auf dem Personal Computer. Ein Austausch von Informationen erfolgt über das Internet, wo zum Beispiel Highscores abgeglichen werden oder weitere Spieler über Multiplayer hinzugeschaltet werden.

    Neil Stephensons Metaverse

    Im Jahr 1992 veröffentlichte der US-Amerikaner Neil Stephenson den Roman Snow Crash. Darin beschreibt er das Metaverse als eine Virtual Reality Simulation, in der man sich mit seinem Avatar bewegen kann. Wenn man sich im Internet durch das Klicken von Links von Webseite zu Webseite bewegt, nutzt Stephenson das Bild des Grundstücks das über eine Straße mit anderen Grundstücken verbunden ist. Das Metaverse in Snow Crash sollte dabei nicht als Bauanleitung sondern als Metapher verstanden werden.

    Übertragen auf Heute bedeutet das, das wir die Virtual Reality Geräte so miteinander verbinden müssen, dass wir in unseren Virtual Reality Avataren in der Lage sein müssten von einem Spiel oder einer Experience in eine andere sprichwörtlich zu gehen. Aktuell sind die Headsets aber noch wie damals die ersten Personal Computer nicht miteinander verbunden. Will man von einer Experience in eine andere, muss man diese erst verlassen und dann vereinfacht gesprochen über einen Internetlink, so wie früher die Datenträger, der neuen Beitreten. Hinzu kommt, dass jede Experience sich so sehr von der anderen unterscheidet, dass es technisch nur schwer möglich wäre, mit dem Avatar aus der einen Experience in eine andere Experience zu gehen.

    Fazit

    Das Metaverse ist eine auf dem Internet aufbauende grundlegende Infrastruktur für miteinander verbundene XR-Experiences, die erst noch gebaut werden muss.

    Das Metaverse, wie es sich Stephenson metaphorisch vorgestellt hat, gibt es also so noch nicht. Allerdings arbeitet der Facebook-Konzern Meta an der Umsetzung des Metaverse. Seit der CEO von Meta im Oktober 2021 den Bau des Metaverse als oberstes Firmenziel vorgestellt hat, ist ein Hype entstanden, dem sich viele Unternehmen angeschlossen haben. Darunter Microsoft und Google, die jetzt an eigenen Metaverse-Plattformen und Metaverse-Zugangsgeräten arbeiten.


    Frage 1: Was ist eigentlich mit Augmented Reality?

    Augmented Reality ist ein spannendes Feld, weil es einmal einfacher und dann aber auch schwieriger umzusetzen ist als Virtual Reality. Einfacher, weil das bereits über euer Smartphone geht, wenn ihr zum Beispiel Pokemon Go spielt oder die enstrpechende Funtion von Google Maps nutzt. Schwieriger, wenn ihr euch jetzt mal eine Augmented Reality Brille vorstellt. Die technischen Hürden sind für solche Brillen wesentlich höher als bei VR Headsets. Der Grund dafür ist der Formfaktor. Während man bei VR Headsets so viel Platz hat wie eine kleine Schuhschachtel. Um dort die Technik unterzubringen, muss bei einer AR Brille alles noch sehr viel mehr miniaturisiert werden. Der aktuelle Stand ist, dass die Brillen, die es bereits gibt, nur ein sehr kleines Sichtfeld haben und eine so kurze Batterielaufzeit, dass es noch sehr viel mehr Jahre dauern wird, bis die Teile im Alltag eingesetzt werden können. Außer man benutzt ein Kabel. Bei den bisherigen Modelle mit Kabel ist es aber so, dass sie das angeschlossene Smartphone ziemlich schnell leersaugen und das Display angelassen werden muss, damit die Brille überhaupt funktioniert.

    Frage 2: Wie kann man über Augmented Reality ins Metaverse?

    In der Tat ist es so, dass die Funktionen, die man sich bisher so für eine Augmented Reality Brille vorstellt, kein Metaverse brauchen. Eine Navigation über Google Maps geht auch schon mit dem Internet. Für Funktionen wie Fotos oder Videos machen, braucht es sogar gar keine Connectivität, die man aber natürlich haben will, um die Bilder dann auf Internet-Plattformen wie Instagram zu teilen. Da man sich bei der Benutzung einer AR Brille im eigenen Körper und nicht  in einem Avatar befindet, ist es tatsächlich fraglich, inwiefern man überhaupt mit so einem Gerät ins Metaverse geht. In Snow Crash zum Beispiel reduziert sich die Nutzung der AR-Funktion der von den Protagonisten benutzten Headsets auf Dinge, die eher an das Telefon oder das Internet erinnern. Da telefoniert dann jemand über das Headset mit einer Person, die gerade im Metaverse ist und das Telefonat wird im AR Display angezeigt, während sich sich in der echten Welt fortbewegt.

    Frage 3: Kann ich auf das Internet zugreifen, wenn ich im Metaverse bin?

    Grundsätzlich kann man glaube ich sagen: Das Metaverse wird für uns vermutlich nur dadurch auf Dauer nutzbar, wenn wir in der Lage sein werden aus einer Experience heraus all die Dinge zu tun, die wir auch jetzt schon tun können. Das schließt das Surfen im Netz oder das Telefonieren mit ein. Vielleicht sogar das Faxen. Aktuell ist es so, dass Unternehmen, die an Experiences arbeiten, bereits solche Features entwickeln. So kann ich zum Beispiel in AltspaceVR, einer Experience von Microsoft, in der sich Menschen für Events treffen, einen Browser aufrufen, um dort dann in 2D im Netz zu surfen. Ich nehme immer wieder an solchen Events teil. Und was wirklich am meisten nervt ist, dass mein Smartphone nicht in VR zur Verfügung steht, um zum Beispiel Kontakte auf LinkedIn zu adden. Das sind Features, die vermutlich schon bald kommen, bevor das Metaverse umgesetzt sein wird.

    Frage 4: Was sind die notwendigen Bedingungen für das Metaverse?

    Das Metaverse erkennt man an zwei Dingen: 1.) Die Experience ist eine Virtual Reality Experience, vielleicht auch eine Mixed Reality Experience 2.) Die Experience ist so mit einer anderen Experience verbunden, dass ich mit meinem Avatar von einer Experience in eine andere gehen kann. Das sind zwei notwendige Bedingungen. Ist eine nicht erfüllt, handelt es sich nicht um das Metaverse. 
    
    Beispiel: Minecraft-Server. Das Spiel ist nicht VR. Und darum kann ich auch nicht mit meinem Avatar von einer Experience in eine andere gehen. Jetzt gibt es Minecraft bereits in VR. Angenommen es gäbe VR Minecraft Server und ich wechsle auf einem Minecraft VR Server von der Team Deathmatch  Welt in die Freies Bauen Welt. Dann wäre das mit einer strengen Interpretation immernoch kein Metaverse, weil der Server die Experience ist. Man müsste also in eine andere nicht-Minecraft-VVR-Experience gehen. 
    
    Ein anderes Beispiel: Beat Saber. Ist es VR? Ja. Kann ich von Beatsaber in einer andere Welt gehen? Nein. Das VR Spiel ist also nicht Teil des Metaverse. Da spielt es auch keine Rolle, ob es die Möglichkeit gibt mit anderen zusammen zu spielen. Ein Internet-Online-Spiel ist also nicht Teil des Metaverse, weil es entweder nicht VR ist und weil es nicht möglich ist in andere Experiences zu gehen.

    Frage 5: Und was ist mit Crypto?

    Mit Crypto sind Blockchain-basierte Anwendungen gemeint. Ein Beispiel dafür ist Decentraland. Decentraland ist eine Internet-Plattform, auf der man Grundstücke und NFTs kaufen und verkaufen kann und in der ich mit einem Avatar auf diesen Grundstücken herumlaufe. Decentraland ist nicht VR und nicht mit anderen Plattformen so verbunden, dass man mit einem VR-Avatar rübergehen kann. Es ist also nicht Teil des Metaverse. Das bedeutet nicht, dass es nicht eines Tages möglich sein wird NFTs in deinem Metaverse-Wohnzimmer aufzuhängen. NFTs sind aber keine notwendige Bedingung dafür. Auch DAOs oder CryptoCoins wie Bitcoin sind nicht zwingend Teil des Metaverse, könnten aber wie das Internet später einmal darin nutzbar sein.

    Frage 6: Sollte das Metaverse dezentral sein?

    Wenn man sich Snow Crash anschaut, oder auch Ready Player One, dann muss man feststellen: Die "VR-Netzwerke" in diesen Büchern sind meist von einer Firma zentral verwaltet. Die Bücher sind diesbezüglich eher dystopisch und es ist zu hoffen, dass das Metaverse in Zukunft nicht von einer Firma beherrscht wird.

    Frage 7: Wie wird sich das Metaverse entwickeln?

    Die Hoffnung ist, dass sich das Metaverse eher wie das Internet und weniger wie zum Beispiel der Smartphone-Markt entwickelt. Dort beherrschen aktuell Google und Apple die Märkte. Da es sich bei den Endgeräten um den Smartphones ganz ähnliche Geräte handelt, könnte es tatsächlich aber zu einer ähnlichen Entwicklung kommen. Bereits jetzt dominiert Android als VR-Betriebssystem die Geräte, die kein Kabel haben. Dazu gehört die Quest 2 von Meta, die schon jetzt einen beherrschenden Marktanteil hat. Bei Apple wird vermutet, dass bereits an einem VR Headset gearbeitet wird, das dann vermutlich aber auch wieder ein Apple-eigenes Betriebssystem verwendet.
    
    Ob es jemals möglich sein wird zwischen diesen verschieden VR-Ökosystemen zu wandern, steht dabei noch in den Sternen. Vermutlich wird es so sein, dass erst mal jeder Konzern für sich ein kleines Metaverse bauen wird. Die Hoffnung besteht, dass diese dann irgendwann mal zu einem großen Metaverse zusammengeschlossen werden.

    Frage 8: Wie wird das Metaverse reguliert werden?

    In Episode 8 des Metaverse-Podcasts habe ich mit einem Mitglied der Europäischen Komission genau darüber gesprochen und es sieht erst mal nicht danach aus, als ob es jetzt eine extra Metaverse-Regulierung gibt. Aber es hat sich einiges getan in Sachen Regulerierung von Tech-Konzernen insgesamt, was eventuell schon mal ein guter Anfang ist. So werden in 2022 vermutlich noch der Digital Services Act und der Digital Merkets Act beschlossen. Zusammen mit einem weiteren Bündel an Acts und Gesetzen soll es dann möglich sein, die aktuellen Tech-Konzerne wesentlich drastischer zu regulieren und in Zukunft zu verhindern, dass wir erneut Unternehmen mit einer so Markbeherrschenden Position bekommen. Da noch nicht klar ist, wie das Metaverse überhaupt entstehen wird, noch was das Metaverse eigentlich sein soll, lässt sich nicht vorhersagen, wie das reguliert werden soll. Hier gilt wohl wie so oft: Wenn etwas schief geht, wird nachgezogen.

    Frage 9: Wie kann ich schon heute Teil des Metaverse sein?

    Gar nicht, denn das Metaverse gibt es noch nicht. Du kannst dir aber Geräte kaufen, die vielleicht mal zu Metaverse-Zugangsgeräten werden. Die Meta Quest 2 gehört mit einem Preis von 350 Euro zu den günstigsten. Sie ist auch deshalb interessant, weil Meta die Firma ist, die das Metaverse am stärksten vorantreiben möchte. Aktuelle Entwicklungen bekommst du am ehesten über dieses Gerät mit. Meta verspricht zudem, dass die Quest 2 noch eine ganze Weile aktuell gehalten wird. Die Quest 3 wird frühestens 2023 erwartet und selbst dann soll die Quest 2 noch Jahre Updates bekommen. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht sagen, dass hat Meta aber auf jeden Fall versprochen.

    Wenn du mehr auf Augmented Reaklity stehst, kann ich dir keine Empfehlung geben, denn alles was es aktuell auf dem Markt gibt, befindet sich eher auf dem Stand eines Prototypen.

    Frage 10: Thomas, was ist, wenn ich mit dir nicht mit den von dir definierten notwendigen Bedingunegn für ein Metaverse übereinstimme?

    Dann ist das dein gutes Recht. Ich sage nicht: So wird das Metaverse auf jeden Fall sein. Was ich gemacht habe ist zu schauen, was gibt es bereits an Informationen über das Metaverse. Und die befinden sich gerade in Büchern. Die habe ich nicht wörtlich genommen, sondern versucht zu verstehen, was diese für uns in der echten Welt bedeuten könnte. Daraus habe ich dann zwei Bedingungen abgeleitet. 
    
    Kann es sein, dass ich unrecht habe? Ja. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass das Metaverse sich völlig anders entwickeln wird. Es ist sogar wahrscheinlich, dass es sich gar nicht entwickeln wird. 
    
    Meine Hoffnung mit dieser Definition des Metaverse ist, dass wir eine Diskussionsgrundlage haben, von wo aus wir weiter machen können. Denn ich bin überzeugt: Wenn wir so Sätze sagen wie: Alles ist irgendwie das Metaverse, dann hilft uns das nicht wirtlich weiter zu verstehen, was das Metaverse eigentlich ist. 
    
    Was ich auch gemacht habe, ist Crypto so weit wie möglich aus der Definition herauszuhalten. Der Grund dafür ist, dass in dem Bereich aktuell zu viel Quatsch passiert und es auch keine Hinweise in den Büchern gibt, die mich zwingen würden Crypto auf jeden Fall mit rein zu nehmen. Mein Tipp: Versucht möglichst wenig etwas mit Blockchain und Co zu machen. Es gibt kaum einen Fall, wo man nicht das Problem viel einfacher mit konventionellen Methoden lösen kann.